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Im Herbst durch Tokyo

Der nun dritte Japan-Krimi von Andreas Neuenkirchen trägt den klangvollen Titel „Shinigami Games“. Von der Brutalität, für die der Begriff steht, macht man sich erst allmählich ein Bild. Angesiedelt ist der dritte Fall der Polizeiinspektorin Yuka Sato im Herbst, offenbar der zweitschönsten Jahreszeit Japans nach dem Frühling, der mit der Blütezeit der Kirschbäume unangefochten die bevorzugte Reisesaison bleibt.

Beim morgendlichen Lauf im Yoyogi-Park nahe dem Polizeipräsidium wird Satos Kollege plötzlich von einem Präzisionsschuss erfasst und erliegt unmittelbar seinen Verletzungen. Eine knappe E-Mail informiert die Inspektorin, dass dies nur der erste von mehreren Akten in einem Spiel um Vergeltung, Macht und Karriere sei. An jedem Tag der bevorstehenden Woche wird Sato ein neues Rätsel lösen müssen, um das Leben eines ihr nahestehenden Menschen retten zu können.

Die Jagd nach dem psychotischen Megomanen führt zum Tsukiji-Fischmarkt, bei dem eine der wenigen weiblichen Sushi-Chefs arbeitet, oder zu einem abgelegenen buddhistischen Kloster, in dem sich ein ehemaliger Yakuza-Boss zur Ruhe gesetzt hat. Neuenkirchen schlägt eine Tour durch das Japan der Gegenwart vor, die es ermöglicht sowohl mehrere Wahrzeichen der Stadt Tokyo als auch die soziologischen und historischen Charakteristika der einzelnen Quartiere kennenzulernen. Der Autor liefert genau die richtige Anzahl an Hintergrundinformationen, damit sich der Leser nicht belehrt, sondern stimuliert sieht, mehr über das Heimatland der Romanprotagonisten zu erfahren. Zudem spricht Neuenkirchen Aspekte der Alltagskultur an, die ansonsten von außen nur schwer nachzuempfinden wären.

Hat man die Gelegenheit, Tokyo einen persönlichen Besuch abstatten zu können, wird man feststellen, dass die Beschreibungen des Autors durchaus akurat sind. Man ertappt sich dabei, wie man im Yoyogi-Park nach den Lolitas Ausschau hält, lässt im Roppongi-Viertel lächelnd den Strom der flanierenden Jungen an sich vorbeigehen, erspäht in Akibahara ein Maidencafé nach dem anderen und versteht schließlich Satos Scheu vor dem Besuch des berühmten Meiji-Schreins – die Touristenmasse ist wahrlich groß.

Es ist die Fähigkeit des Autors Stimmungen zu beschreiben, die seine Texte auszeichnet. Der Tokyo-Reisende wird zudem den einen oder anderen Tipp für sich herauslesen können. Das Buch, das im Conbook-Verlag rausgegeben wurde, eignet sich auch als Geschenk oder als schönes Objekt für die eigene Sammlung, denn obwohl es sich um ein Taschenbuch handelt, hat man sich in der Gestaltung des Einbandes und der Innenseiten große Mühe gegeben und auch in diesem Punkt, die japanische Kultur und den Geschmack für feine Verpackung und Dekoration nachempfunden.

Ein Fall steht Yuka Sato noch bevor…

„Shinigami Games“ von Andreas Neuenkirchen, Conbook-Verlag, Taschenbuch, 352 Seiten, weitere Informationen hier

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