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Der Barbier von Berlin – Schale Witze, billige Lacher und opportunistische Inszenierung

Nachdem im Dezember 2017 „Il barbiere di Siviglia“ wegen eines Wasserrohrbruchs in der Deutschen Oper ausfallen musste, gab es in diesem Jahr eine neue Gelegenheit das Jahr mit der Rossini-Oper zu beenden.

Die Konzentration auf die Ausstattung und die einfachsten Witze, die vor allem darin bestehen, dass die Figuren herumzappeln, anzüglich mit den Hüften wackeln oder sonstige Grimassen schneiden, sollen wohl eindeutig über das nur spärlich gesäte Talent der Sänger hinwegtäuschen. Dass selbst bei Autorenfilme im Kino nicht mehr davon ausgegangen werden kann, dass die Zuschauer die 1,5 Stunden still sitzen, lässt sich mittlerweile leider nicht mehr erwarten. Doch dass sogar während der 7 Minuten der Ouvertüre, wohl eine der berühmtesten und schönsten der Musikgeschichte, kommentiert und gekichert werden muss, macht sprachlos oder eher wütend. Dabei gibt es im Übrigen keinen Unterschied zwischen den Altersgruppen, Erfahrung macht also nicht immer schlauer. Und natürlich lässt sich nicht bestreiten, dass die Inszenierung auf der Bühne ein solches begünstigt.
Die Autoren haben offenbar gegenüber der Kraft des Originals kein Vertrauen. Die gesamte Interpretation lässt nur dieses Fazit zu. Alle überflüssigen visuellen Modernisierungen (Jeans, schwarze Lederjacken, Badehosen und Bikinis) und klaumakartigen Zudichtungen (überlange Finger, etc.) haben das alleinige Ziel effekthascherisch zu sein. Der Respekt vor Rossini, dessen Stück bereits genug Komik beinhaltet und diese gerade durch ihre Zeitlosigkeit besticht, fehlt. Und wieder missversteht ein Autor/eine Autorengruppe Faxen mit Komik. Vergisst, dass gerade Ironie und Komik am besten wirkt, wenn sie trocken, serviert wird. Doch darüber könnte man eventuell auch hinwegsehen, wenn der Gesang auf der Höhe wäre. Die Hauptfiguren des Stücks Lindoro/Graf Almaviva und Figaro/der Barbier haben nur sehr schwach begonnen. Der erste sollte ein Tenor sein, der zweite ein Bariton. Die Stimmen sind aber nicht unterscheidbar, Figaro/der Barbier kann nicht als Bariton gelten. Auch das Italienisch des Sängers ist wenig sonor.
Seine wichtigste Arie im ersten Akt hat er spätestens zerstört, als er Michael Jacksons „Moonwalk“ dazu darbot. Rosina, die weibliche Hauptrolle, war auch viel mehr mit Pantomime und Spiel beschäftigt, als mit Gesang, was ein Fehler darstellte.

Zusammenfassend entspricht die Inszenierung in der Deutschen Oper einer ungeschickten, nicht geglückten eigenen Erweiterung des Originals. Die Inszenierung setzt auf optische Stimulation nach dem Prinzip „mehr ist mehr“, dabei trauen die Autoren dem Publikum offenbar nicht genug zu – oder aber es bietet ihm genau, was es verlangt – eine Überreizung der Sinne, die keinen Platz für eigene Gedanken übriglässt. Schade, dass die Musik, selbst an einem der letzten traditionellen Opernhäuser Berlins nicht im Mittelpunkt mehr steht.

Damit reiht sich die Inszenierung mit der in der Komischen Oper (Regie: Kirill Serebrennikov) zu den schlechtesten und bemühtesten der letzten Spielzeiten.

Hinweis:
Artikel in der WELT zur Inszenierung in der Komischen Oper

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