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Exkurs zum diesjährigen Internationalen Filmfestival in Oldenburg
Zwei Autorenfilme vorgestellt.

Vom 12. bis 16. September 2018 fand in Oldenburg zum 25. Mal das internationale Filmfestival statt, das ein Programm mit Schwerpunkt auf europäischen Produktionen und einzelner weiterer Autorenfilme aus der restlichen Welt präsentierte.

Zu den ausgefallenen Beiträgen gehörten zwei Filme, die mit einem sehr kleinen Produktionsbudget entstanden. Beide wurden von Frauen inszeniert, sie bedienen sich jeweils einer ganz unterschiedlichen Bildsprache und beweisen, dass es in erster Linie Ideen und Leidenschaft bedarf, um außergewöhnliche Fantasiewelten zu schaffen.

Maria Solrun, isländische Staatsbürgerin und Wahlberlinerin, begleitete ihren Film „Adam“ nach Oldenburg. Der Film hatte seine Premiere an der Berlinale in der Sektion Generation gefeiert. Ebenfalls anwesend waren ihr Sohn Magnus Mariuson, Hauptdarsteller, und Jim Stark, Produzent. Vor der Vorführung des Films fand mit den dreien ein unförmliches Gespräch über die Situation und Chancen des sogenannten „low-budget“-Films statt, also der Filmproduktionen mit bescheidenem Budget. Gleich zu Beginn bemerkte Stark, dass dies allerdings Definitionssache sei, da darunter nicht alle das Gleiche verstehen würden. In den USA spreche man von kleinem Budget, wenn einem 1-2 Mio. Dollar zur Verfügung stehen würden, in Europa bei 10.000 bis 30.000 Euro.

„Adam“ kam mit 30.000 Euro zurecht, die zum großen Teil für die Postproduktion aufzubringen waren. Der Schnitt übernahm Fernando Epstein („Whisky“, 2004), Regisseur und Produzent aus Uruguay, und war somit einer der wenigen am Film Beteiligten, die nicht aus dem unmittelbaren Freundes- und Familienkreis der Autorin stammte. Abgesehen davon, dass Solruns Sohn die Hauptrolle übernahm, verpflichtete sie Nachbarn als Schauspieler, den Freund der Tochter als Komponisten und den Gastronomen ihres Vertrauens.

Adam, Regie: Maria Solrun, 2018

Ihr Film erzählt eine offenbar persönliche und damit intime Geschichte: Die Mutter von Adam ist eine Rocksängerin, die nach jahrelangem übermäßigem Alkohol- und Drogenkonsum mit einem irreparablen Gehirnschaden in die Psychiatrie eingeliefert wurde. Vorher, in einem letzten klaren Moment, hatte sie Adam versprechen lassen, dass er ihr helfen würde, zu sterben, wenn genau diese Situation eintreten würde. Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas haftet dem Film eine spielerische und märchenhafte Leichtigkeit an, die am Spiel des Protagonisten liegt. Die große Stärke des Films macht dann auch genau diese schauspielerische Leistung aus. Magnus Mariuson dominiert weitgehend jede Szene mit einer authentischen Ausstrahlung, die durch die taubstumme Charakterisierung der Figur zusätzlich eindrücklich wirkt. „Adam“ schwächelt allerdings an anderen Stellen wie bei der Kohärenz der Geschichte und dem Erzählrhythmus. Die musikalische Untermalung verliert sich zum Teil in zu süßlichen Klängen und es sammeln sich klischiert-romantischen Natur- und Tieraufnahmen.

Sag mir nicht, du kannst nicht singen, Regie: Sabine Timoteo, 2018

Mit „Sag‘ mir nicht, du kannst nicht singen“ wagt sich die Schweizer Schauspielerin Sabine Timoteo zum ersten Mal hinter die Kamera. Sie hat mit ihrem relativ kurzen, 70-minütigen Experimentalfilm eine eigenständige Sprache entwickelt. Formal überzeugt der Film durch seine Originalität und fordert den Zuschauer, seine Sehgewohnheiten zu hinterfragen. Sowohl das Visuelle als auch das Auditive stellen eine gewisse Herausforderung dar, die den Film von der Maße herausstechen lassen und somit eine willkommene Abwechslung bietet. Doch trotz kurzer Spieldauer stellen sich Längen ein, die der Wiederholung geschuldet sind, auch wenn man akzeptiert, dass es als einheitliches Stilmittel genutzt wird. Auch Timoteo bezeichnet ihren Film als sehr persönlich. Dies, so sieht sie es selbst, weniger in Bezug auf die Geschichte, die gar nicht eine dominierende Rolle spielt und schließlich rätselhaft bleibt, sondern auf den Film als Ausdruck ihres künstlerischen Antriebs und Verständnis. Im Gespräch ist Timoteos Leidenschaft für die Kunstform Film zu spüren, die sie mit ihrer Hauptdarstellerin Doro Müggler zu teilen scheint. Ihr erster Spielfilm feierte in Oldendburg seine internationale Premiere.

Bilder: Courtesy Internationales Filmfestival Oldenburg

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