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Filme aus Taiwan in der Brotfabrik

Noch bis zum 11. August präsentiert Impression x Taiwan jeden Samstag einen Spiel- oder Dokumentarfilm aus Taiwan. Mit Filmen aus den letzten drei Jahren bekommt der Zuschauer einen Einblick ins aktuelle Filmschaffen des Landes. Die abwechslungsreiche Auswahl ergänzt das anspruchsvolle Programm des Kinos in der Brotfabrik. Die vollen Veranstaltungen zeugen davon, dass in Berlin eine erstaunlich große Gemeinde an Taiwaner lebt, die sich um einen kulturellen Austausch bemüht.

Den Auftakt machte am 19. Mai das sorgfältig inszenierte Drama der Regisseurin Jenny Lu. Lu war im Anschluss auch für ein Publikumsgespräch über Skype zugeschaltet. Sie hat mit „The Receptionist“ ein eindrückliches, unaufgeregtes Drama geschaffen, das eine Gruppe von Frauen aus unterschiedlichen sozialen Klassen, unterschiedlicher Bildungsstände und mit unterschiedlichen Träumen, die unter bestimmten Umständen zusammenfinden, porträtiert.

Tina lebt mit ihrem Freund in London. Sie stammt aus Taiwan, hat aber in England studiert und findet trotz Abschluss keine Anstellung. Als auch ihrem Freund der Vertrag aufgekündigt wird, kommen die beiden finanzielle Nöte. Aus der taiwanesischen Gemeinde kommt dann der Hinweis, dass in einem Massagesalon eine Rezeptionistin gesucht wird. Der Salon stellt sich als Bordell heraus, in dem Frauen arbeiten, die sich offensichtlich finanziell nicht anders zu helfen wissen. Die jüngere (Amanda Fan) von beiden, für ihre Kunden wiederholt als Schulmädchen verkleidet, aber selbst kaum älter als eins, hat eine Grundnaivität, mit der sie sich ihre Lebensfreude erhält. Der älteren (Chen Shiang-chyi) haftet ihre ganze Enttäuschung und Verbitterung an. Über dem Ganzen regiert die resolute, doch leicht tragische Figur der Puffmutter (Sophie Gopsill).

Jenny Lu pflegt einen zurückhaltenden Stil, der nahe am Dokumentarischen bleibt. Sie verzichtet auf übermäßigen Pathos in den Dialogen, die inszenierte Handlung fällt auch eher durch einen Mut zur Lakonie auf. Eindeutig wird der Film von einer hervorragenden Besetzung getragen. Die Frauen wirken authentisch, jede hat eine Seite an sich, mit der sich der Zuschauer identifizieren kann. Ihre Herkunft und wo der Film aufgenommen wird spielen genau genommen keine große Rolle. Sie stehen stellvertretend für viele Frauen, Migranten und Arbeitsflüchtlinge, die in internationalen Großstädten am Rande der Legalität sich einen Lebensunterhalt verdienen müssen. „The Receptionist“ stellt genauso eine Gesellschaft ins Blickfeld, die prinzipiell auf Distanz empathisch mit dem Schicksal anderer sein kann, aber im direkten Kontakt das Engagement zurückbleibt.

In der Zwischenzeit zeigte die Initiative, die im Wesentlichen von Frauen geleitet wird, zwei Dokumentarfilme und kommt am Samstag, dem 30. Juni mit einem weiteren Spielfilm zurück. „Partners in Crime“ (2014) von Chang Jung-chi erzählt von Jugendlichen, die zufällig den Tod eines Mitschülers miterleben und seitdem widerwillig aneinander gebunden ist.

Impression x Taiwan, Kino in der Brotfabrik, noch bis zum 11. August.

Nächste Termine:

30. Juni 14.30 Uhr, „Partners in Crime“ von Jung Chi Chang, Spielfilm

14. Juli 14.30 Uhr, „Fight For Justice“ von Che Hsien Su, Dokumentarfilm

28. Juli 13.30 Uhr, „The Last Painting“ von Hung I Chen, Spielfilm

11. August 14.30 Uhr, „The Silent Teacher“ von Maso Chen, Dokumentarfilm

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