Home

Über Land und Leute in Korea

Wer auf der Suche nach einem unkonventionellen Reiseführer ist, der nicht nur die üblichen Touristenthemen herunterbetet, sondern einen authentischen Einblick in Land und Leute ermöglicht, wird bei der Reihe „151“ des Conbook-Verlags fündig. „Korea 151“ beispielsweise setzt sich zum Ziel, in 151 Kurzthemen, Momentaufnahmen, Eigenheiten der koreanischen kulturellen Identität und des Alltags zu vermitteln.

Das Buch der beiden Autoren Dennis Kubek und Bielle Kim, die eine gute Beobachtungsgabe und ein Gespür für humorvolle Formulierungen unter Beweis stellen, kann sowohl als vorbereitende Lektüre für den geplanten Aufenthalt in Südkorea als auch als Ergänzung für alle, die bereits erste Erfahrungen mit dem Land und der Kultur gemacht haben – natürlich kann man das Buch auch zur reinen Unterhaltung lesen. Gehört man zur zweiten Grupe, wird einem Einiges erhellend vorkommen, viele beobachtete Verhaltensmuster erklären sich dadurch plötzlich. So staunt man zwar immer noch wieso sich Koreaner nach dem letzten Bissen und dem letzten Schluck im Restaurant sofort erheben und in Windeseile das Lokal verlassen, aber erfährt, dass es keine Tradition hat sich noch lange am Tisch zu unterhalten. Dafür stehen die Bars zur Verfügung oder die privaten Karaokezimmer, norebang, die für den weiteren Verlauf des Abends vorgesehen sind.

Im Gegensatz zu Japan braucht man sich nämlich nicht, vor aller Welt zum Affen zu machen, möchte man testen, was am lauthals falschen Singen denn genau so amüsant sein soll. Wie es der Name bereits sagt, bang heißt Zimmer, mietet man sich zu mehr oder nach Wunsch auch alleine, ein privates Zimmer, in dem man sich Essen und Getränke bestellen kann und einen vor den Blicken Fremder geschützt als Bühne dient.

Der Korea-Neuling erhält durch „Korea 151“ wertvolle Hinweise zur Gastronomie und vor allem auf Verhaltensregeln, die ihn vor Überraschungen und Peinlichkeiten warnen. Vermutlich wundert man sich vor Ort dann immer noch, aber man ist zumindest vorbereitet, dass gerade ältere Koreaner in U-Bahnzüge und Fahrstühle hineindrängen, um sich einen Platz zu ergattern oder sich insbesondere junge Leute unentwegt selbst fotografieren und dabei Grimassen schneiden und Gesten machen, die sie wahrscheinlich als niedlich oder cool erscheinen lassen sollen.

Die Auswahl der Themen des Buchs sprechen für eine gewisse Leidenschaft der Autoren für das von ihnen besprochene Land und vor allem für eine intensive Auseinandersetzung mit der Alltagskultur. Aus dem Buch lassen sich spannende Tipps für Besichtigungen und Unternehmungen herauslesen, die versprechen, abseits der allgemeinen Touristenattraktionen zu sein.

Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Reiseführer und journalistischem Reisebericht. Durch die Kürze der Kapitel, die ein bis maximal zwei Seiten in Anspruch nehmen, kann man sich selber entscheiden, auf welche Themen man insbesondere eingehen will und erhält einen schnellen Einblick in die Materie. Die großzügige Bebilderung macht das Werk zudem sehr attraktiv. Zum Teil fehlt es an einer genauen Bildunterschrift, die dem Ganzenen einen weiteren Feinschliff gegeben hätte, wobei sich die Bilder meistens selbst erklären.

„Korea 151“ von Dennis Kubek und Bielle Kim, 2015, Conbook-Verlag, 14,95 €

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s