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Katzenliebe

In mehreren Sprachen erschienen und vom Verlag Suhrkamp Insel auf Deutsch herausgegeben zog der Debütroman des Japaners Takashi Hiraide„Der Gast im Garten“, beträchtliche Aufmerksamkeit auf sich. In zurückhaltender, lakonischer Art wie es traditionellerweise dem japanischen Literaturcharakter entspricht, widmet sich Hiraide der Geschichte eines Paares und ihrer plötzlich entflammten Liebe zu einer Katze.

Der Protagonist, ein Autor, der in seiner Tätigkeit als Lektor in einem Verlag unzufrieden ist, erzählt aus seiner Perspektive wie er mit seiner Ehefrau in das Gartenhaus eines größeren Anwesens einzieht und nach einigen Wochen ein Kätzchen sich als regelmäßiger Gast einrichtet. Vor diesem ersten Kontakt konnten sich beide nicht vorstellen, sich jemals auf emotionale Weise auf ein Haustier einzulassen. Chibi, „die Kleine“, eine kleine weiße Katze mit mehreren braunen und grauen Flecken lässt sich mit gebratenen Sardinen füttern und im Garten mit einem Bällchen vergnügen.

Die Treffen zwischen dem Ehepaar und der Katze werden zum Ritual, an das sich erstere dermaßen gewöhnen, dass sie der plötzliche Tod der Katze aus der Bahn wirft. Mit dem etwas unbeholfenen Versuch, die letzten Augenblick in Chibis Leben  zu rekonstruieren, und indem sie Kontakt mit den Nachbarn aufnehmen, die richtigen Besitzer der Katze, versuchen sie ihre Trauer zu kanalisieren.

Durch Hiraides unpathetische Sprache und trotz der Ich-Perspektive wahrt der Leser immer eine gewisse Distanz zu den Protagonisten. Der Zugang zu ihrer angedeuteten Gefühlswelt fällt schwer, wenn man nicht selbst die Leidenschaft für Haustiere und insbesondere für Katzen kennt. Doch dann bietet der Text viele Identifikationsmomente. Die Stärke des Buches liegt in der Beschreibung von scheinbar Unscheinbarem, von einfachen Handlungen und Erlebnissen.

Das bewusste Empfinden der Natur spielt eine wichtige Rolle in „Der Gast im Garten“, wie es bereits der Titel suggeriert. Hiraide nimmt insgesamt Partei für ein Japan der Traditionen, was sich in der beschriebenen Immobilienmarktsituation, die auf eine immer fortschreitenden Parzellierung von Land in urbanen Gebieten drängt, um daraus entsprechend höheres Kapital schlagen zu können, oder in der Erwähnung von Trauerritualen widerspiegelt.

Hiraides Roman ist ein leises Buch, in dem die Kapitel harmonisch zusammenpassen. Einzig unbeholfen wirken die Bezüge zu Machiavelli, die nicht recht ihre Relevanz finden. Für Leser primär westlicher Literatur entsteht an manchen Stellen eine etwas naive, süßliche Note.  Die deutsche Ausgabe müsste dem Autor gefallen, da sie mit feinen, schönen Zeichnungen von Quint Buchholz ausgestattet ist.

Weitere Informationen zum Roman direkt auf der Seite des Verlages

Bild: Umschlag von „Der Gast im Garten“ mit Zeichnung von Quint Buchholz

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