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Der andere Vampirfilm

Der libanesische Regisseur Ghassan Salhab gastiert aktuell als Stipendiat des DAAD-Künstlerprogramms in Berlin. In einer kleinen Schau zeigte das Kino Arsenal drei seiner bisher sechs Filme einem breiteren Publikum. Der dritte Film der Reihe liest sich der inhaltlichen Zusammenfassung nach als Kriminal- und Vampirfilm. In Wahrheit fungiert die Geschichte vielmehr als Vorwand für einen ästhetisch anspruchsvollen, elegischen und episodischen Film.

Als roter Faden und Hauptfigur fungiert Khalil, Arzt und Hobby-Taucher um die 50 mit einem besonderen Interesse für schöne Frauen. Die Zuschriften einer seiner Geliebten setzen ihn unter Druck, vergnügt er sich doch lieber gerade mit der Mutter einer seiner Patienten. Khalil wirkt insgesamt unterkühlt und schwer zugänglich. Seine Assistentin und seine Freunde, die er regelmäßig an ihrem Stammtisch trifft, machen sich Sorgen, scheint er sich in kürzerer Zeit verändert zu haben. Ausschlaggebend soll wohl ein nächtlicher Angriff auf Khalil gewesen sein, nach dem er auch eine vorübergehende Sehschwäche erlitt.

Welchen Zusammenhang zwischen Khalil und den sich häufenden Todesopfern besteht, eröffnet sich dem Zuschauer schleichend. Männer und Frauen werden leblos in den Straßen Beiruts aufgefunden. Als gemeinsames Merkmal weisen sie eine regelmäßige Bisswunde auf. Während sich die anderen Ärzte keinen Reim daraus machen können, wird Khalil klar, dass es der Täter auf das Blut seiner Opfer abgesehen hat – um sich zu ernähren. Immer mehr fühlt sich Khalil zu diesem Wesen hingezogen bis er ihm eines Nachts auch begegnet.

Die Szenen zwischen Krankenhaus und nächtlichen Spaziergängen durch die Stadt wechseln sich mit äußerst suggestiven Tauchgängen und Bildern aus der blau-grünen Unterwasserwelt. Die Atemgeräusche durch das Tauchermundstück geben den Rhythmus an und ersetzen untermalende Musik, auf die Salhab insgesamt bei seinem Film verzichtet. Eine ähnliche Funktion haben auch Schritte, das Pfeiffen der Autoreifen und das Klappern mit Besteck und Geschirr.

„Atlal“ ist ein entschleunigter Film, der dem Zuschauer weniger mit spannungsgeladenen Szenen und Spezialeffekten aufwartet, sondern bietet ihm eine einheitliche, beklemmende Stimmung und sorgfältig konstruierte Bilder.

„Atlal“ aka „Le dernier homme“ aka „The Last Man“, Regie: Ghassan Salhab, Libanon/Frankreich, 2006

Bild: „The Last Man“, Ghassan Salhab © Arsenal – Institut für Film- und Videokunst e.V.

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