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Papierarbeiten

Noch bis zum 14. Mai ist die Gruppenausstellung „Paper Positions“ im Einkaufszentrum Bikini am Zoologischen Garten für das Publikum zugänglich. Die Messe für zeitgenössische Kunst Positions, die einmal jährlich im Herbst (15.-18. September 2016) in Berlin stattfindet, organisiert unter dem Namen X-Positions regelmäßig thematische Ausstellungen übers Jahr verteilt. Zum diesjährigen Gallery Weekend eröffnete eine umfangreiche und heterogene Schau aus Papierarbeiten.

Im Zusammenarbeit mit über zwanzig Galerien und Privatsammlungen ist die Präsentation von Kunstwerken verschiedener Formate und Formen entstanden. Neben namhaften Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Neo Rauch oder Vera Molnar erhalten jüngere und gleichwohl spannende Künstlerpositionen die Gelegenheit, aktuelle Arbeiten einem breiterem Publikum vorzustellen.

Unter den interessantesten Werken befinden sich beispielsweise die mittelgroße Sammlung aus schwarzen Quadraten auf weißem Papier der Ungarin Vera Molnar. Die beiden in der Ausstellung gezeigten Arbeiten stammen aus den 1970er Jahren und spiegeln die Auseinandersetzung der Künstlerin mit Raum und Medium wider. „(Des)Ordre“, also (Un-)Ordnung, nennt sie die insgesamt harmonisch wirkende, überlappende Anordnung der Quadrate. Entstanden sind sie durch die Anwendung von Computerprogrammen, die Molnar als eine frühe Vertreterin einer in den 1960er Jahren aufkommenden digitalisierten Kunstform, Digital Art oder Computerkunst, auszeichnen.

Eine ähnlich beruhigende und unaufgeregte Erscheinung macht eine kleine, vielleicht auf den ersten Blick unscheinbare Lithographie „Vogel“ der koreanischen Künstlerin Eun Rim Ro. Die einfache Blume mit Vogel, die aus einem einzigen Pinselstrich entstanden zu sein scheint, versprüht eine suggestive Leichtigkeit. In der Ästhetik einer Kinderzeichnung gehalten erinnert die Schlichtheit an südasiatische Vorbilder, Tuschzeichnungen und Kalligrafien.

Dass Kunstwerke aus Papier nicht unbedingt zweidimensional sein müssen, beweisen gleich mehrere Exponate. Zum einen beeindrucken die filigranen Installationen von Constanze Vogt durch eine überzeugende unaufdringliche räumliche Präsenz. Das Gleiche gilt für die bunten, auffälligeren Wandreliefs von Johan Adams Griefen und nicht zuletzt für die Assemblage-Kästen von Tim Sommer. Dieser hat eigene Zeichnungen in Streifen geschnitten und in Holzkästen mit Glasvitrine neu zusammengefügt. Seine medienübergreifende Installationen erinnern an die Faszination älterer Künstler, die bereits in den 1960er Jahren mit der Technik der Assemblage gearbeitet haben und dessen interessanter Vertreter beispielsweise der Italiener Gianfranco Baruchello (Jahrgang 1924) ist.

Trotz der Vielfalt an teilnehmenden Galerien und Künstler ist mit „Paper Positions“ eine stimmige, sehenswerte Schau entstanden.

Bild: Wandrelief von Johann Adams Griefen (links), Rauminstallation von Constanze Vogt (rechts), Foto: Paper Positions, Bikini Berlin, 2016

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