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Die mit dem Wolf flirtet 

Mit „originell“ und „so etwas hat es noch nicht gegeben“ beschließt „The Hollywood Reporter“ seine Kritik des neuen Films der Schauspielerin und Regisseurin Nicolette Krebitz anläßlich der Vorführung in Sundance. Den Film könnte man als eine Mischung aus „Feuchtgebiete“ (2008) nach dem Roman von Charlotte Roche und „Der mit dem Wolf tanzt“ (1990) mit und von Kevin Costner bezeichnen.

Die Handlung lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen. Die Außenseiterin Ania entdeckt im Wald einen Wolf und verliebt sich – wörtlich – in ihn. Sie scheut keine Anstrengung, ihn einzufangen und hält ihn solange in ihrer Wohnung fest, bis sie mit ihm – dank ihm – ein neues Leben beginnt.

„Wild“ als Parodie auf Filme aufzufassen, in denen der Mensch die Liebe zum wilden Tier und zur unverstellten Natur und damit seine eigene Freiheit entdeckt, widerspricht den Anstrengungen der Autorin, die ihn durchaus ernst sieht. „Man soll sich an dem Film aufrichten. Ich wollte einen positiven Film, der einem vermittelt, dass man es schaffen kann.“ So eine Wirkung, mag man einwenden, wird sie nur bei einem vorpubertierenden Publikum erwarten können.

Der Film schlittert immer wieder ins Geschmacklose, spätestens dann als die Hauptfigur, eine ausdrucksschwache Lilith Stangenberg, die nur aus Haut und Knochen besteht, davon träumt, vom Wolf oral befriedigt zu werden. Zu den einzelnen starken Szenen des Films gehört das Basteln des Seils, an dem Stofffetzen verknotet werden müssen und das beim Fangen des Wolfes behilflich sein wird. Die nächtliche Einstellung und die Ausleuchtung im Wald lassen kurzzeitig Emotionen entstehen, die aber durch ein wenig inspiriertes Spiel der Schauspielerin sofort wieder abflachen.

Selbst die Faszination und Anziehung, die die Protagonistin zum Wolf vermutlich entwickelt haben soll, kommen kaum zur Geltung. Vielmehr wirkt die ständig weinerliche Stimme Stangenbergs lächerlich. Die wenigen Sequenzen trockenen Humors, die durch die Interaktion Anias mit ihrem Chef Boris (Georg Friedrich) entstehen, verpuffen angesichts des restlichen Films. Friedrichs stets überzeugendes Spiel ist hier verschwendet.

Das Drehbuch sieht dermaßen holprige Szenen und extrem vereinfachte Dialoge und Assoziationen vor, dass man mehrfach an der Ernsthaftigkeit des Vorhabens zweifelt. Zudem verliert sich der Film in verschiedenen angeschnittenen Nebenhandlungen wie mit dem sterbenden Großvater und dem Besuch einer Textilfabrik. Die Beziehung zwischen Ania und ihrem Vorgesetzten hängt weiter als peinliches Intermezzo im Raum. Die Gespräche zwischen Ania und ihrem Wolf sind kaum erträglich: „Magst du Eier? Die müsstest du kennen. Ich esse meine Eier ohne Schale“ oder „Findest du mich zu dick?“

Zugestehen kann man, dass der Film einen überrascht. Nach der ersten halben Stunde steht noch nicht fest, in welche Richtung er schlagen würde. Doch ab dann trägt die Autorin zu dick auf. Obwohl es auf den ersten Blick schwierig ist, Vergleichbares heranzuziehen, macht es „Wild“ trotzdem nicht sehenswert.

„Wild“ von Nicolette Krebitz mit Lilith Stangenberg und Georg Friedrich, ab 14.04.2016 im Kino

Bild: Ania (Lilith Stangenberg) in ihrer Wohnung mit dem Wolf (c) Heimatfilm
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