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Singen gegen Diskriminierung

‘G-Voice’ steht für “Gay-Voice”, also in etwa “Stimme der Homosexuellen” und ist der Name eines koreanischen Männerchors, dessen Mitglieder, selbstredend, homosexuell sind. Seit über 12 Jahren existiert die Gruppe. Die Proben finden jedes Wochenende in Seoul statt. Regelmäßig tritt der Chor an verschiedenen Orten des Landes auf.

Die Mitglieder gehen unter der Woche festen Berufen nach, kaum einer hat einen musikalischen Hintergrund. Doch dank des Engagements des Chorleiters, eines Musikproduzents, avancierte ‘G-Voice’ über die Jahre zu einem beachtlichen Niveau. Die Texte für die selbstkomponierten Lieder stammen entweder direkt aus der Feder des Leiters oder der einzelnen Mitglieder. Immer beruhen sie auf persönlichen Erfahrungen.

Geht man die Texte durch, kommt man im Großen und Ganzen zum Schluss, dass die jungen Männer von den gleichen Problemen, Ängsten und Sehnsüchten sprechen, wie sie alle Liebenden kennen. Doch wie alle anderen dürfen sich die gleichgeschlechtlichen Paare in Korea nicht verhalten. Sie werden von Gesellschaft und Staat offen diskriminiert. Ihre ‘Neigungen’ gelten als pervers: Von ihnen gehe, wie es gerade Menschen mit christlichem Hintergrund glauben, eine Gefahr für die Sozialordnung und Tradition aus.

Bei einem öffentlichen Konzert des Chores anlässlich einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit schreitet ein Mann mittleren Alters zur Bühne und bewirft die Sänger mit Fäkalien. Während einer friedlichen Parade, der Korea Gay Pride, rufen ihnen Passanten feindliche Parolen zu, unter anderem lauthals “Stirbt! Stirbt!”. Auf Druck der Gesellschaft scheint der Gesetzgeber bisher in Korea die Diskriminierung Homosexueller und anderer sexueller Minderheiten ‘aussitzen’ zu wollen. Eindeutig erscheint es, dass der Weg Richtung mehr Akzeptanz noch weit sein wird. Denn selbst von ihren Eltern können, wie es die Mitglieder von ‘G-Voice’ eindrücklich beschreiben, Homosexuelle kaum auf Verständnis zählen.

Dong-ha Lees Einblick in diese marginalisierte Gruppe berührt und regt zum Nachdenken an. Wie es bei koreanischen Dokumentarfilmen immer wieder festgestellt werden kann, besitzt auch “Weekends” gewisse Längen und bleibt dem Prinzip “Einprägung durch Wiederholung” treu, was den Film in seiner Schlüssigkeit ein wenig schwächt. Trotz der Härte des Beschriebenen hat der Film auch eine leichtfüßige, humorvolle Seite, wenn er beispielsweise Sequenzen aus den Musikvideos des Chores aufnimmt – gerne möchte man sich als Zuschauer in diese schillernde Partywelt zurückziehen können.

Teresa Vena

Weekends“, Regie: Dong-ha Lee

Bild: Berlinale

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