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Der erste Roman „Een fatale primeur“ der niederländische Autorin Marjolijn Uitzinger spielt wie ihre nachfolgenden Werke (siehe unseren Beitrag zu „De Huisgenoot“) im politischen Milieu Berlins. Die Hauptstadt wird bei ihr zum Schauplatz von Intrigen, Machtkämpfen und Totschlag.

Die junge niederländische Journalistin Sam, die als Uitzingers Alter-ego fungieren könnte, trifft als Kulturkorrespondentin in Berlin ein. Sie verliebt sich schnell in ihren erfahreneren Kollegen Jur, der sich erst etwas unnahbar gibt, aber sie mehr und mehr ins Vertrauen zieht. Gerade als er ihr von seinen neuesten Recherchen erzählen will, hat er ein Autounfall und kommt ums Leben. Schnell regt sich bei Sam der Verdacht, dass der Unfall kein Unfall war, sondern Mord.

Als Anfängerin auf dem politischen Parkett versucht sie, herauszufinden, woran Jur gearbeitet hat und kommt einem großen Skandal immer näher. Beteiligt sind ein niederländischer Autor und seine Frau, die in Deutschland leben und großes öffentliches Ansehen genießen. Sie sind mit einem Teil der deutschen Geschichte verbunden, das noch nicht lange zurückliegt, dem totalitären System der DDR. Sam deckt Seilschaften auf, die Überbleibsel des Netzwerkes der sogenannten „inoffiziellen Mitarbeiter“ darstellen. Zum Vorschein kommen unrühmliche Ereignisse, die die Betroffenen längst sicher vergessen glaubten, ihnen aber in der Gegenwart, von einem rachegetriebenen Täter zum Verhängnis werden.

Äußerst geschickt platziert Uitzinger ihre Heldin mitten in diese Situation, zu der sie als Nicht-Deutsche und aus einer jüngeren Generation stammend zwangsläufig ein anderes Verhältnis aufbaut, als es ihre deutschen Kollegen im Roman tun. Ihre Figur sorgt für eine glaubwürdige und notwendige (professionelle) Distanz zum Thema. Allgemein liegt die Stärke von Uitzingers Roman in einem, bewussten oder unbewussten, Vermeiden von zu viel Pathos. Die obligate Liebesgeschichte findet zwar auch hier statt, läuft aber nicht zum Drama aus.

Der Roman unterhält und bringt einem gleichzeitig einzelne Praxen aus dem journalistischen Fach näher. Die  Genauigkeit, die Uitzinger für die Zeichnung ihres eigenen Berufsstands und der äußeren Umstände aufbringt und das Buch ebenfalls lesenswert machen, bleibt bei der Darstellung einzelner Figuren allerdings eher aus, wenn es beispielsweise um den deutschen Kollegen von Sam geht, der nach dem Klischee als Brummbär mit kräftigem Appetit, er ist nicht wählerisch, solange die Portionen groß sind, daherkommt.

Marjolijn Uitzinger arbeitet an einem neuen Roman, der wieder Berlin als Schauplatz haben soll, die Stadt, die sie seit Jahren als ihre neue Heimat ansieht. Mit ihrem flotten und mitreißerischen Schreibstil würde sie bestimmt auch deutschsprachige Leser begeistern – die Übersetzungen ihrer Texte stehen aber leider noch aus.

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