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Zu Besuch bei den Großeltern

M. Night Shyamalan inszeniert seinen neuen Film „The Visit“ in gewohnter Manier, indem er von einer denkbar idyllischen Anfangssituation ausgeht, das Grausen sich aber nach und nach heranschleicht. Die Geschwister Rebecca (Olivia DeJonge) und Tyler (Ed Oxenbould) besuchen zum ersten Mal in ihrem Leben ihre Großeltern mütterlicherseits. Die Mutter und ihre Eltern gingen vor Jahren im Streit auseinander und hatten bisher keinen Kontakt mehr. Dieser einwöchige Aufenthalt auf dem Land soll den Grundstein für eine allgemeine Versöhnung legen – oder zumindest dies denken sich die Kinder.

Die Großeltern bemühen sich um einen herzlichen Umgang mit ihren Enkeln. Eine gewisse Besessenheit der Großmutter (Deanna Dunagan) fürs Kochen fällt schnell auf. Irritierender finden die Kinder aber die Aufforderung des Großvaters, ihr Zimmer nach 21:30 Uhr nicht mehr zu verlassen. Sie erfahren bald, was es dabei auf sich hat. Die Großmutter kratzt nachts in einer Art Tranche an den Wänden und wirbelt nackt durchs Haus. Der Großvater (Peter McRobbie) tut dies als kleine Nebenerscheinung des Alters ab.

Doch die Situation spitzt sich zu, als die Geschwister die Großmutter nachts heimlich mit der Kamera aufnehmen und von den Bildern schockiert sind. Sie wollen das Haus verlassen, doch die Großeltern wehren sich dagegen.

Formal nutzt der Autor einfache Mittel. Die mitgebrachten Kameras fungieren als wesentlicher Bestandteil der Geschichte, da Rebecca einen Dokumentarfilm über ihren Besuch bei den Großeltern drehen will, werden aber gleichzeitig für die Erzeugung von Spannung eingesetzt. Die Nutzung dieser Technik hält der Autor konsequent durch. Die Konzentration auf im Wesentlichen vier Hauptdarsteller und auf einen Schauplatz gibt dem Film die Atmosphäre eines Kammerspiels.

Die vermeintlich unschuldigen Wesen von Kindern dienen M. Night Shyamalan nicht zum ersten Mal als Ausgangsbasis für seine Geschichten. Schon in „The Sixth Sense“ (1999), dessen Erfolg ihm internationale Aufmerksamkeit eingebracht hat, setzt er auf junge Protagonisten, die trotz ihrer anfänglichen Zerbrechlichkeit und Sensibilität über sich hinauswachsen, einen Drang zum Überleben entwickeln und schließlich als Gewinner aus der Situation hervorgehen. In „The Visit“ treten die Geschwister als altklug auf, was hier zu einer zusätzlichen komischen Ebene führt, insbesondere Tylers Ambitionen als Rapper.

Auch das Verhalten der Großeltern schwankt zwischen ernsthaftem Wahn und unfreiwilliger Komik. „The Visit“ weiß nicht genau, ob es Horror oder Horrorkomödie sein will. Zusätzlich kommen märchenhafte Elemente, die an „Hänsel und Gretel“ erinnern, dazu. Diese Unentschiedenheit schwächt den Film in seiner Wirkung und macht ihn zum durchschnittlichen Maßenprodukt.

Bildunterschrift: © Universal Pictures

Trailer

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