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„Quo vadis“ von Jae-hwan Kim

Während in Europa die Mitgliederzahlen der katholischen Kirche ständig sinken, kennt der Katholizismus in Südkorea seit Jahrzehnten eine Hochblüte. Doch macht die Struktur der Gemeinden hier eine eigenwillige Entwicklung durch, die man als Außenstehenden schwer begreift und in gewisser Weise an Umstände wie in den USA erinnern. Vor diesem Hintergrund ist der koreanische Dokumentarfilm „Quo vadis“ entstanden, der sich zum Ziel gesetzt hat, auf die Missstände aufmerksam zu machen und absurde Verhaltensmuster anzuprangern. Inwieweit dies dem Film gelingt, ist schwer zu beurteilen.

Der Autor hat sich dafür entschieden, einen bekannten Auslandskoreaner und Moderator Michael More (die Namensgleichheit mit dem US-amerikanischen Skandaldokumentarist ist irritierend, aber gewollt) als Sprachrohr zu benutzen. Dieser streift durch die Millionenstadt Seoul und versucht, mit verschiedenen Priestern zu sprechen, die auf seine Fragen allerdings mit blanker Abweisung reagieren. Dies ist dann auch nicht erstaunlich, denn es geht ihm vor allem darum, sie damit zu konfrontieren, dass immer mehr kleinere Kirchen und Gemeinden aufgelöst werden, und dafür Platz für riesige Kathedralen machen, die in ihrer Größe und Architektur eher an Einkaufszentren erinnern.

Ein anderer Umstand, auf den die Filmemacher mit dem Finger zeigen, sind, die verschiedenen Korruptionsskandale, in die die Priester und ihre Familien regelmäßig verwickelt sind. Einerseits geht es darum, dass das Amt systematisch an Verwandte übergeben wird, andererseits machen sie sich der Steuerhinterziehung und der illegalen Verfügung über Gemeindemittel schuldig. Die Kirche als Geschäft. So präsentiert uns der Film den Katholizismus und auch den Protestantismus, die aus dem Westen importiert wurden, in Südkorea. Als ungesundes System, bei dem sich wenige auf Kosten der Maße bereichern.

Es ist schwierig, „Quo vadis“ bis zuletzt gänzlich ernst zu nehmen, denn der Moderator wirkt unglaubwürdig, verfällt plötzlich ohne ersichtlichen Grund in lange Lachexplosionen, macht Klamauk. Inwieweit die befragten Personen die real existierenden Persönlichkeiten selbst sind oder von Schauspielern interpretiert werden, kann man ohne genaueres Wissen nicht identifizieren. Das hier angeschnittene Thema ist aber ernst, und lädt dazu ein, sich genauer über die Umstände zu informieren.

Formal ist der Film einfach gehalten, mit einer unruhgigen Handkamera, die dem Inhalt geschuldet ist. Ausschnitte aus Fernsehsendungen und Archivmaterial reichern das Ganze an. Insgesamt ist „Quo vadis“ etwas unkonzentriert und zu wenig analytisch, aber auf jeden Fall sehenswert und auch komisch – wenn meistens wohl auf unfreiwilliger Basis.

Teresa Vena

„Quo vadis“, Regie: Jae-hwan Kim, Dokumentarfilm, 2014

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