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Am letzten Freitag haben die Macher der Genrenale, eines Filmfestivals, das seit 2013 im Februar zeitgleich zur Berlinale stattfindet, zum ersten Teil der „Screamer Tour“ geladen. Das Festival widmet sich dem Genrefilm aus Deutschland, wobei der Begriff Genre hier recht eng gefasst ist. Blut muss fließen – und dies möglichst reichlich!

Liebhaber von Horror im Film kommen auf ihre Kosten. Für die „Screamer Tour“ haben Krystof Zlatnik und Paul Andexel fünf Kurzfilme aus dem Genrenale-Programm der letzten beiden Jahren zusammengestellt. Fünf an sich in Länge, Form und Inhalt recht unterschiedliche Beiträge mit der entscheidenden Gemeinsamkeit, dass die Autoren aus Deutschland stammen. Das ist allerdings eine Tatsache, die kaum auffällt – betrachtet man bereits die Titel, die bis auf eine Ausnahme („Au pair“) englisch sind.

„In the Deathroom“ von Milos Savic basiert auf einer Kurzgeschichte von Stephen King. Geschichte und Machart des Films sind dann auch sehr US-amerikanisch, selbst die obligate Quotenerfüllung, einen schwarzen Muskelprotz in die Geschichte einzubauen, fehlt nicht. Ein Mann leidet an einer Psychose und bildet sich ein, dass er fälschlicherweise vom Geheimdienst gefoltert wird. Trotzdem scheint er die Aufmerksamkeit zu genießen, es gefällt ihm, für einen ausgefuxten Agenten gehalten zu werden. Dies kommt im Gespräch des Mr. Fletcher mit seinem Psychiater zum Vorschein.

Viel interessanter mutet „The Last Show“ von Hendryk Witscherkowsky an. Eine Truppe skurriler Clowns greift während ihrer letzten Aufführung ihr Publikum an und schlachtet es regelrecht ab. Zum Lachen ist hier niemandem mehr, die Clowns kehren ihre gruselige Seite heraus. Der Film kommt ohne Dialoge aus, er erzeugt durch die Verwendung von Musik und animierten Szenen eine dicht inszenierte, stimmige Atmosphäre.

Der schwächste Film des Abends war „Sweetheart“ von Miguel Angelo Pate, der in Bezug auf Schauplatz und Machart gänzlich amerikanisiert ist und auch auf Englisch gedreht wurde (Co-Produktion USA). Aus der Sicht eines Mädchens folgt der Zuschauer der Verwandlung der Erwachsenen in apathische, mörderische Wesen. Es wird nicht ganz klar, was die Ursache des Vorgangs ist. Der Film suggeriert, dass er mit Meteoriten aus dem All zu tun hat.

Als Höhepunkt der Reihe kann eindeutig „Happy B-day“ von Holger B. Frick gelten. Es handelt sich um eine Horror-Komödie, die mit einfachen Mitteln, aber sehr stilsicher gedreht wurde. Ein Mann (Gabriel Raab) joggt im verschneiten Wald, als er von einer vermummten Frau (Isabel Thierauch) aufgehalten wird, die ihn mit einer Pistole bedroht. Es stellt sich heraus, dass der Mann Geburtstag hat und die Frau, seine Freundin, ihn überraschen wollte. Doch es läuft nicht wie geplant. Aus einer lebensbedrohlichen Situation heraus entwickelt sich eine treffsichere, amüsante Beziehungskrise. Ein wirklich gelungenes Beispiel von schwarzem Humor – 8 packende kurze Minuten lang.

Der letzte Film des Abends „Au pair“ von Marc Schießer spielt in Berlin in einem chinesischen Restaurant. Die Besitzerin ist bemüht, einen gediegenen Eindruck zu erwecken, was ihr nur bedingt gelingt, und löst durch Haltung und Blick von Anfang an ein Gefühl des Unbehagens aus. So ergeht es auch dem neuen „Au pair“-Mädchen aus Frankreich, die sich als Küchensklavin missbraucht sieht. Dass es noch schlimmer kommen kann, dämmert ihr allerdings erst, als es schon zu spät ist und die Speisekarte vorliegt – auf der sie die Hauptzutat sein soll.

Weitere Informationen

Trailer „Happy B-day“

Trailer „Au pair“

Genrenale

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