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Einmal im Monat präsentiert die DEFA-Stiftung, die sich um die Pflege und die Digitalisierung aller Filme, die bei dieser Produktionsfirma in der DDR entstanden sind, kümmert, eine thematische Filmreihe im Kino Arsenal in Berlin. Am 4. Mai konnte das Publikum in die Welt der DDR-Filmanimation eintauchen.

Im ersten Block des Abends standen Filme der Anfangsjahre von 1955 bis 1978 auf dem Programm und im zweiten Teil der Spätphase von 1978 bis 1990. Produziert wurde diese Auswahl von ungefähr 2000 Filmen ähnlicher Art im DEFA-Studio für Trickfilme mit Sitz in Dresden. 1955 gegründet, hätte das Studio am 1. April 2015 60-jähriges Jubiläum gefeiert, wenn es 1990 nach der Privatisierung nicht zu einer erzwungenen Auflösung gekommen wäre.

Bis Anfang der 1970er Jahre verfügte das Studio über zu bescheidene technische Voraussetzungen, um eine international konkurrenzfähige Produktion aufrecht zu erhalten. Diese Jahre sind vor allem durch die Erprobung verschiedener Anmimationstechniken wie Puppentrick-, Zeichentrick-, Silhouetten- und Handpuppentrickfilm gekennzeichnet. Erst mit der Renovierung des Studios entstand eine größere Professionalisierung, die schließlich dazu führte, dass die Produktion es an Modernität mit ganz Europa aufnehmen konnte.

Die Animationsfilme wurden fast ausschließlich auf staatlichen Auftrag hin produziert und waren fürs Fernsehen und Kino vorgesehen.

Als bemerkenswerte Gemeinsamkeit der gezeigten Filme lässt sich eine weitgehende stilisierte Zeichnung feststellen. Protagonist ist fast immer die menschliche Figur, doch scheint eine bewusste Bemühung vorzuherrschen, sie karikierend darzustellen. In „Hallo“ (Regie: Thomas Rosié, Hans Moser, 1984) verzweifelt ein Mann an seiner Suche nach der perfekten Ruhe, bis er sie in der Wüste zwar findet, aber doch nicht mit ihr umgehen kann. Der Mann hat einen überdimensionierten Kopf mit einer riesigen Nase. Die drei Männer in „Inselwitz“ gleichen sich aufs Haar. Sie haben einen viereckigen Körper, dünne Beine und dünne Arme. Sie sind auf einer einsamen Insel gestrandet und frieren am nackten Körper. Das Tuch, das ihnen eine Meerjungfrau schenkt, benutzen sie nicht, um sich zu bedecken, sondern basteln damit eine Fahne, die sie als Entdecker der Insel auszeichnen soll.

Humor spielt eine wichtige Rolle in den Filmen, die eine Länge zwischen zwei und acht Minuten haben. Sie sind als lustige Kurzgeschichten konzipiert, die Alltagssituationen überspitzt darstellen und Neurosen und Handlungsweisen des Menschen relativieren oder seine Eitelkeiten ins Lächerliche ziehen. So wie in „Herr Daff macht eine Filmaufnahme“ (Regie: Klaus Georgi, 1980), in dem sich ein Busfahrer von seiner besten, sonst gut verborgenen Seite zeigt, weil er missverständlicherweise glaubt, selbst Motiv einer Filmaufnahme zu sein. Doch Herr Daff zeigt sich vielmehr an der idyllischen Landschaft hinter dem Bus interessiert.

In „Die Lösung“ (Regie: Sieglinde Hamacher, 1987) sitzt eine Gruppe kleinerer Vögel der Reihe nach auf einer Telefonleitung hinter einem größeren Vogel, der ihr Anführer zu sein scheint. Ein Vögelchen will um keinen Preis in die gleiche Richtung schauen wie alle anderen, auch nicht nach mehrmaliger Aufforderung des Oberhaupts. Bis dieser auf die Idee kommt, seinen Platz zu verlassen und sich vor das retinente Glied zu stellen, er befiehlt eine Kehrwendung und somit ist die Ordnung wieder hergestellt.

Surreal muten die beiden Filme „C’est la vie“ (Regie: Christian Biermann, 1988) und „Okkupation“ (Regie: Sieglinde Hamacher, 1990) an. Im ersten verliebt sich ein Mann in seine Nachbarin, die er immer wieder am Fenster sieht und die anfänglich seine Annäherungsversuche ablehnt. Hartnäckig gesteht er ihr seine Liebe, bis sie ihn erhört. Doch das wird ihm zum Verhängnis, denn sie ist nicht nur Mutter von drei Kindern, sondern vor allem eine Vampirin. In „Okkupation“ bedrängt ein stämmiger, rücksichtsloser Mann einen anderen. Erst isst er ihm im Zug den ganzen Proviant weg, dann taucht er in Bus und Taxi neben ihm auf und zuletzt bei ihm zu Hause. Er nistet sich wie selbstverständlich dort ein und verdrängt den rechtmäßigen Besitzer, bis dieser am Ende als Obdachloser dasteht und ihm einzig sein Zierfisch bleibt.

Weitere Informationen

DEFA-Stiftung

Bild: „Das Monument“ © DEFA-Stiftung
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