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Mit „Fidel ist Fidel“ haben die junge Galerie Art Stalker und die kubanische Botschaft in Berlin eine Fotoreihe von Roberto Chile erstmals außerhalb Kubas der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In Berlin wurde die kleine Ausstellung am 12. August, gleichzeitig mit der weitaus größeren Präsentation der gleichen Fotografien in Havanna, eröffnet. Sie wird voraussichtlich bis zum 5. September zu sehen sein.

Roberto Chile (*1954) begleitet Fidel Castro seit 25 Jahren erst als Filmemacher, jetzt auch als Fotograf. Die Fotografien, die in Berlin gezeigt werden, wurden aus Anlass des 88. Geburtstages Castros zusammengestellt. Sie zeigen den Politiker aus nächster Nähe, oft in Gedanken und angeblich immer unmittelbar vor oder nach seiner Zuwendung zum Volk. Die Ausstellung wird dann auch durch Aufnahmen von Menschenmaßen ergänzt, die den Konterpart zu Fidel und sein Publikum darstellen sollen. In der Galerie wurden sie dementsprechend räumlich inszeniert und an entgegengesetzten Wänden aufgehängt.

Chiles Arbeiten sind fast ausschließlich schwarz-weiß, was ihnen eine gewisse Poesie und künstlerische Kraft verleiht. Insgesamt sind etwa 30 Fotografien zu sehen, die sich sehr ähnlich sind. Fidel ist immer sehr nahe aufgenommen, einmal sind seine Hände verschränkt, ein anderes Mal spielt er leicht versonnen mit einem seiner Ringe. Es sind kaum mehr Variationen in der Pose feststellbar und der Bildausschnitt zeigt ebenfalls kaum Varianten. Natürlich funktionieren die Fotos am besten als Serie, als Einzelstücke auratisieren sie das Sujet ins Superlative.

Kunst oder Politik

Als eigentliche Kunstausstellung ist „Fidel ist Fidel“ nicht zu bezeichnen, sondern eher als politische Manifestation. Dem tragen auch die Veranstalter Rechnung, wenn sie, wie während der Pressekonferenz, erklären, die politische Bedeutung der Ausstellung stehe im Vordergrund und es handle sich um die erste ihrer Art in Deutschland. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gezeigten fehlt gänzlich. Die Verehrung des Porträtierten ist als einzige Lesart vorgesehen. Nicht jede Kunstveranstaltung muss kritisch sein, doch angesichts des hier rein politischen Themas wäre eine zumindest ansatzweise differenzierte Herangehensweise zu erwarten – ansonsten wird in Berlin keine Gelegenheit ausgelassen, in der Künstler oder Kuratoren vom weltverbesserischen, hochkritischen Inhalt ihrer Präsentationen überzeugen wollen und politische Bewusstheit einfordern. Als Gedankenspiel stelle man sich vor, dass eine Fotoserie der gleichen Form von Angela Merkel entsteht. Welche Galerie würde diese ausstellen? Als Ausstellungsort käme wohl nur die Eingangshalle der CDU-Zentrale in Frage.

Wie dem auch sei, allgemein ist es sicherlich zu begrüßen und auch interessant, dass die kubanische und vermehrt auch die Kunst aus anderen lateinamerikanischen Ländern mit Art Stalker in Berlin eine Plattform gefunden zu haben scheinen. Tatsächlich arbeiten die Betreiber der Galerie seit einigen Jahren mit einer kubanischen Kuratorin zusammen und bestreiten Ausstellungen gemeinsam.

Art Stalker ist sowohl Galerie als auch Veranstaltungslokal mit heterogenem, abwechslungsreichem Programm, das über Ausstellungen, Konzerte, Tanzveranstaltungen bis hin zu Spielnachmittagen für Kinder reicht. Der Raum besteht erst seit ungefähr einem halben Jahr und wird von den Initiatoren der Messe B.A.G.L. und der Galerie E.A.G.L. um Jennifer Spruß geführt. Sie haben ein interessantes, interdisziplinäres Konzept, das den Bedürfnissen der Berliner Kulturszene, die Kunst als Anlass zum Feiern zu nehmen gewohnt ist, entspricht.

 

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