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„Koreanische Welle“ nennt man das seit ungefähr einem Jahrzehnt wellenartige Interesse des Westens – vor allem der USA, aber kürzlich auch vermehrt Europas – für die populäre Kultur Südkoreas. Musikgruppen, Fernsehsendungen und insbesondere Filme finden öffentliche Beachtung. Im letzteren Bereich können koreanische Regisseure große Erfolge auf dem internationalen Markt verbuchen, wie es erst in diesem Jahr bei Joon-ho Bong mit seinem Film „Snowpiercer“, in dem renommierte Schauspieler wie John Hurt oder Tilda Swinton mitspielen, der Fall war.

Von der kulinarischen Seite zeigt sich dieses Land im Westen aber auch. In Manhattan, New York, wurde eine Seitenstraße der 7th Avenue „Korea way“ genannt, da sich dort ein koreanisches Restaurant nach dem anderen angesiedelt hat. In Berlin sind die koranischen Esslokale nicht so räumlich konzentriert, aber es gibt in den entgegengesetztesten Bezirken eine bereits beachtliche Anzahl zu finden. Friedenau soll mit dem „Seoul-Kwan“ das älteste und eines der traditionellsten besitzen, was angesichts der kleinen Speisekarte recht glaubhaft erscheint. Das bisher sonderbarste ist entschieden das „Ixthys“ in Schöneberg. Dort sind die gesamten Wänden des beengten Raums mit Stoffbahnen mit handgeschriebenen Bibelstellen behangen. Die Auswahl der Gerichte ist auch hier eher bescheiden, da vor allem Suppenvariationen, alle sehr scharf, angeboten werden.

„Kimchi Princess“

Das „Kimchi Princess“ in Kreuzberg würde man im Gegenzug zu den moderneren und durchaus angesagtesten der Stadt zählen. Es muss in einem der neueren Reiseführer zu Berlin stehen, denn gerade Junge und Touristen – bei einem Besuch war man am gleichen Abend von vier französischsprachigen Tischgesellschaften umgeben – gehören zu den Gästen. Natürlich liegt die hohe Auslastung auch am guten Standort des Lokals, an dem aber wiederum der Hungrige aus einer unüberschaubaren Fülle an Gaststätten auswählen kann.

Im „Kimchi Princess“ ist man gut aufgehoben. Das Personal ist freundlich und die Karte bietet etwas für jeden Geschmack. Sogar vegetarische Varianten werden angeboten, die in der koreanischen Küche eher selten sind. Dominant für diese Esskultur sind die verschiedenen gegrillten Fleischsorten (mehrheitlich Schwein und Rind, verschiedene Barbecues und „Bulgogi“), die mit einer Anzahl an Beilagen wie eingelegten Rettich, Algensalat oder gekochtem Gemüse gegessen werden. Als Abwechslung können auch Nudeln mit Gemüse („Japchae“) genommen werden oder auch Reis mit Fisch und Ei („Bibimbap“). Eine Zutat, die immer wieder vorkommt, als Vorspeise, Beilage oder im Hauptgericht, ist „Kimchi“. Es ist namengebend für das Lokal und eine Art Nationalgemüse. Es handelt sich um einen Kohl, der in Chili und anderen Gewürzen eingelegt wird. In reiner Form ist es recht scharf, was an sich eine allgemeine Eigenschaft des koreanischen Essens ist. Besonders schmackhaft ist Kimchi als Pfannkuchen („Kimchijeon“).

Gemeinsames Essen

Für Experimentierfreudige sind auch die typisch koreanischen Getränke wie der Traubensaft, in dem noch Traubenscheibchen schwimmen, zu empfehlen. Ein koreanisches Essen scheint immer den gleichen Regeln zu folgen. Es gibt ein Hauptbestandteil, das kann zum Beispiel das nach und nach gegrillte Fleisch sein oder ein Reistopf mit Gemüse, und man isst dazu verschiedene Beilagen aus kleinen Gefässen, die man sich mit den anderen Mitessenden teilt. Auf diese Art ist das gemeinsame Essen im Wortsinn eine zusammenführende, gesellige Angelegenheit, in der die Personen automatisch interagieren (müssen). Daher eignet sich der Besuch bei „Kimchi Princess“ hervorragend für Gruppen.

Das Lokal des „Kimchi Princess“ ist in moderner Ästhetik gehalten. Die Lüftungsrohre sind an der Decke sichtbar. Die Küche befindet sich im Obergeschoss, das von der Seite einsehbar ist, und die Kellner tragen die Gerichte über eine Metalltreppe in den Speiseraum. Bei voller Belegung kann es etwas laut werden, aber die Bedienung ist freundlich – was in Berlin kaum selbstverständlich sein dürfte (bei der Frage, was „Fischtofu“ sei, war die Kellnerin leider etwas überfordert: „Das ist Fischtofu“). Insgesamt ist es ein nettes Restaurant, bei dem das Preis-Leistungsverhältnis auch stimmt, obwohl es sicherlich für Berliner Verhältnisse nicht im unteren Preissegment liegt.

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