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Mit dem Felleshus betreiben die Botschaften der fünf nordischen Länder Schweden, Dänemark, Norwegen, Island und Finnland in Berlin ein wandelbares Veranstaltungshaus, das regelmäßig Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Filmvorführungen beherbergt.

Mit „Play Nordic“ ist bis zum 1. Oktober eine Präsentation zu sehen, die gleich mehrere Disziplinen des künstlerischen Ausdrucks vereint. Auf spielerische Art, wie es aus dem Titel heraus auch gedeutet werden kann, sind skandinavisches Design, moderne Musikformen, Literatur und Kulinarik verteilt auf zwei Etagen zu entdecken.

Der Ausstellungstitel kündigt zudem auch die verschiedenen Installationen von Anders Lind, die eine neue Art der Musikproduktion erforschen, an. Die Besucher werden aufgefordert, ihre Vorstellungen und Erwartungen, die sie an den Charakter und den Klang von Musik haben, für eine kurze Zeit zurück zu stellen. Tatsächlich würde man nicht erwarten, dass die Objekte, die vor einem stehen, für musikalische Zwecke geeignet seien. „Singing Instruments“ betitelt Lind seine Kompositionen, die nur durch die aktive Teilnahme der Besucher zum Leben erweckt werden.

In einem Kreis angeordnet stehen mehrere Fahrradräder und ein Rollbrett. Beim Betätigen der Räder ertönen Klänge in verschiedenen Tonlagen, mit unterschiedlichen Bässen versetzt. Das „Rad-Quintett“ findet seinen Höhepunkt, wenn alle fünf Posten besetzt sind und die Spieler an den Knöpfen, die an einem Schaltpult angebracht sind und eine zusätzliche Variation von Tonlagen ermöglichen, herumdrücken. Keine Tonfolge gleicht der anderen, die Experimentiermöglichkeiten scheinen unendlich. Geschwindigkeiten und Rhythmen folgen einander und erinnern an Technomusik.

Ähnlich funktioniert es auch beim „Wasserhahn-Quartett“. Dreht man an den verschiedenen Kalt- und Warm-Wasser-Hähnen, erzeugt man tiefe, teilweise wie Keuchen wirkende Klänge. Dem „Rad-Quintett“ wird hier ein vielschichtiger, vibrierender Ton hinzugefügt, und es entsteht eine linearere Melodie als bei den Rädern. Wiederum abgehackter und auch anstrengender, wenn man die sieben Schubladen alleine betätigt, ist das Erzeugen von Musik mit dem „Schubladen-Septett“.

Es ist wirklich sehr erholsam, wie man bei der Beschäftigung mit diesen unkonventionellen Instrumenten alles um sich herum vergisst. Man fühlt sich in die Kindheit zurück versetzt. Das Experimentieren mit dem Drehen und Ziehen an den verschiedenen Objekten macht Spass und eröffnet einen neuen Blick auf die Entstehung von Musik.

Nach der relativen Anstrengung beim Musizieren kann sich der Besucher in den beiden „Wolken“ entspannen. In den mit Luft aufgefüllten rundlichen Planen, kann man sich beim Durchblättern von skandinavischer Literatur und Fotobüchern entspannen, bequem auf Kissen gebettet, die von norwegischen und isländischen Gestaltern entwickelt wurden und die nicht mitgehen zu lassen man sich überwinden muss.

Der letzte Teil der Ausstellung stellt ein Sammelsurium an Objekten sowohl aus dem täglichen Bedarf als auch aus spezialisierten Verwendungen an einer einzigen Wand zur Schau. Die schwedische Künstlerin Katrin Greiling hat ungefähr 100 Gegenstände versammelt, sie an die Wand gehängt und mit Nummern versehen, die auf eine zugehörige Legende mit genauen Beschreibungen der einzelnen Stücke verweisen. So finden sich Lego-Steine aus Dänemark, eine Tischlampe aus Finnland, eine Vase aus Norwegen, ein Schwamm aus Schweden und ein getrockneter Fisch aus Island beieinander.

Die Darstellungsart gibt den Objekten den Charakter wissenschaftlicher Ausstellungsstücke und mythisiert sie gleichzeitig. Man fühlt sich an ein Herbarium oder an Schmetterlingssammlungen erinnert. Einzeln würden beispielsweise die beiden Lakritzschachteln (Foto: Nummer 45) aus Finnland, die Pfannkuchenpfanne aus Island, das Telefon aus Dänemark und der Beerenableser (Foto: Nummer 60) aus Schweden wenig auffallen, in der hier ausgestellten Anordnung gewinnen sie aber an Bedeutung und verlieren gleichzeitig an ihrer originären Funktionalität. Sie werden gemeinsam zu einem dekorativen Wandteppich und zur Kunstinstallation.

Die Ausstellung „Play Nordic“ gibt einen amüsanten und breiten Einblick ins zeitgenössische Design des Nordens. Durch die lockere und vielseitige Präsentation können keine Berührungsängste gegenüber dem Thema entstehen. Der Besuch lässt sich dann auch in der temporären „Oslo Bar“ bei einem warmen Getränkt und einem der bunten Desserts angenehm abschließen.

 

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