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Einzelne Straßen des Berliner Bezirks Neukölln, insbesondere zwischen Hermannplatz und Maybachufer, sind zum Treffpunkt der internationalen Esskultur mutiert. Wenn noch vor ein paar Jahren ein kleines Sushilokal mit vietnamesischer Küche die lange Reihe der Döner-Imbisse auflockerte, erregte das noch Aufmerksamkeit, heute jedoch finden sich beispielsweise in der Pannierstraße nur noch solche frühere Ausnahmen.

Die Auswahl führt den Besucher einmal rund um die Welt und zurück. Vom italienischen Gelato über die südamerikanische Empanada bis zur asiatischen Frühlingsrolle, alles ist vertreten. So hat der Hungrige auch die Qual der Wahl. Eine Angebot- und Preistafel reiht sich an die andere und ein umständliches Rechnen und Abwägen beginnt – gleichzeitig steigt der Hunger immer mehr. An der einen Ecke werden asiatische Gemüse- und Fleischsuppen angeboten, die bunt und großzügig aussehen. Die japanischen Maultaschen an einem anderen Ort werden vegetarisch oder mit Fleisch angepriesen und werden im Minutentakt produziert. Bei letzterem Lokal handelt es sich angeblich um eines der wenigen seiner Art in Europa. Eine Information, die weiteren Entscheidungsdruck aufbaut.

Ein paar Häuser weiter und vorbei an dampfenden Nudeln steht man an der Pannierstraße, fast vorne an der Sonnenallee, vor der „Melbourne canteen“. Die Betreiber des mittelgroßen Lokals sind, wie sein Name schon anzeigt, Australier. Die Karte ist klein, ein paar Vorspeisen und Nachspeisen stehen mit einer Auswahl aus etwa vier bis fünf verschiedenen „Pizzen“ zur Verfügung. Serviert wird eher eine Art von Flammkuchen mit sehr dünnem, knusprigem Boden. Der Belag ist herzhaft, eher etwas trocken, zumindest für die an sich originelle Kombination aus Käse und Kartoffelspänen. Das Essen in der „Melbourne canteen“ ist schmackhaft, aber nicht besonders aufregend. Zudem ist es leider recht teuer. Eine Portion „Pizza“ kostet zwischen 6 und 8 Euro und sättigt kaum.

Alles in allem scheint die „Melbourne canteen“ aber beim Berliner Publikum anzukommen. Wenn man dann aber ein bisschen die Ohren spitzt, hört man vornehmlich englisch- oder spanischsprachige Gespräche heraus. Das Personal des Lokals ist selbst nur englischsprachig und hat bereits Schwierigkeiten, wenn man auf Deutsch wegen einzelner Zutaten nachfragt. Das Lokal ist ein Paradebeispiel für die fortschreitende Gentrifizierung und Internationalisierung Neuköllns. Das Restaurant ist insgesamt etwas charakterlos. Die Bedienung ist aber sehr freundlich und das Ambiente unprätentiös angenehm. Es eignet sich also weniger für die Befriedigung des großen Hungers, sondern mehr für einen netten Abend unter Freunden bei einem kleinen Imbiss.

 

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