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In der Reihe „Stummfilm um Mitternacht“ nach dem Motto „Null Uhr – null Euro“ präsentiert das Kino Babylon Mitte jeden Samstag eine Auswahl an bekannten und weniger bekannten Stummfilmen europäischer und amerikanischer Herkunft. Jede Vorführung findet in Begleitung von Orgelmusik statt.

Liebhaber des Stummfilms und solche, die es noch werden möchten, bekommen mit dem Programm des Babylons eine gute Übersicht zum Thema. Manchmal wird die Projektion mit einer kurzen Einführung durch einen Experten ergänzt, so wie jüngst bei den drei Kurzfilmen von Laurel & Hardy (oder „Dick & Doof“).

Der Zuschauer erfuhr dadurch, dass der erste Film von 1927 „Do detectives think?“ („Denken Polizeiagenten?“) einer der ersten Auftritte des tollpatschigen Duos ist. Darin spielt Laurel den „zweitschlechtesten“ und Hardy den „schlechtesten“ Polizeiagenten der Welt. Die beiden werden zum Schutz eines Richters vor einem entflohenen Sträfling eingesetzt. Als sie beim Haus des ersteren ankommen – dafür müssen sie an einem Friedhof vorbeigehen, der ihnen Angst macht und sie aufhält, weil ihre Hüte auf das Gelände geweht werden und sie sich nicht trauen, sie wiederzuholen – hat sich der Mörder bereits als neuer Butler eingeschleust. Als sich endlich alle der unmittelbaren Gefahr bewusst sind, beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, in dem jeder seine eigene Haut zu retten versucht. Mehr zufällig gelingt es einem der Agenten, von Laurel gespielt, am Schluss nachdem das ganze Haus auf dem Kopf steht und erheblichen Schaden am Mobiliar entstanden ist, den Täter zu übervorteilen.

„Habemus corpus“ von 1928 spielt die meiste Zeit auf einem Friedhof. Die beiden Herumtreiber Laurel & Hardy sollen gegen Bezahlung für einen verrückt gewordenen Wissenschaftler eine Leiche ausgraben. Laurel kommen Zweifel am Geisteszustand des Auftraggebers, die Hardy mit den Worten „He is as sound mental as you an I“ (in etwa „Er ist geistig genauso klar wie du und ich“) auszuräumen glaubt. Die beiden stellen sich dabei so unglaublich ungeschickt an, dass sie sich selbst verletzen und bis auf die Knochen verängstigt sind. Jeder kleine Schatten und jedes Geräusch lässt die beiden aufschrecken, fliehen und unkoordiniert um sich greifen. Hardy rennt einmal in die Begrenzungsmauer des Friedhofs und diese stürzt ein. Laurel wird von einer Fledermaus angeflogen, gestikuliert wild herum und fällt in ein ausgehobenes Grab. Am Schluss ist die vermeintliche Leiche nicht tot, sondern ein Polizist, der vom Vorhaben wusste und die beiden Taugenichtse bei ihrer Arbeit auf dem Friedhof einzuschüchtern versucht hatte. Laurel & Hardy stehen mit leeren Händen da, als sich der Leinensack, in den sie den Mann gepackt hatten, auf eigenen Füßen davon macht.

Der dritte Film des Abends war „Liberty“ von 1929. Durch die Einführung erfuhr der Zuschauer, dass die berühmte Szene auf einer Hochhausbaustelle auch in Wirklichkeit auf Metallstreben in einer Höhe von 70 Metern aufgenommen worden war. Tatsächlich ist diese Szene spektakulär: Die beiden aus dem Gefängnis entflohenen Laurel & Hardy versuchen seit der Flucht, sich zivile Kleidung anzuziehen. Es klappt bis auf die Hosen, die sie in der Eile vertauschen. Der Rücktausch stellt sich als schwierig und teilweise als akrobatische Übung dar. Bei jedem Versuch werden sie beobachtet, der Unanständigkeit oder gar der homosexuellen Handlung verdächtigt und müssen weiterziehen. Aus Unachtsamkeit, noch mit ihrem Hosenproblem beschäftigt, gelangen sie auf die besagte Baustelle und auf die Stahlträgerkonstruktion. Beide haben Höhenangst und balancieren unsicher von einer Ecke in die andere. Hardy versucht, seinen Kollegen zu beruhigen: „Be like me! Be cool!“. Doch die beiden behindern sich gegenseitig und die Situation hängt immer wieder am seidenen Faden. Einmal kann Hardy Laurel im letzten Moment am Fuß fassen und ein anderes Mal hängt Laurel in der Luft an einem abgelösten Pfeiler. Endlich gelangen die beiden zum Aufzug. Der Film endet mit einer berühmten Szene: Bedauerlicherweise hatte sich aber inzwischen ein Polizist in den Aufzugsschacht gestellt. Durch die herabsausende Kabine wird er in den Erdboden gestanzt und kommt als Zwergwüchsiger, gespielt von einem neuen Darsteller, wieder hervor.

Während der erste Film „Do detectives think?“ erzähltechnisch viele Lücken aufweist, sind der zweite und dritte in sich geschlossener und rhythmisch prägnanter. Dabei ist „Habemus corpus“ etwas einfallsreicher als die Belancierszenen in „Liberty“. Die Hosenszenen dagegen gehören aber zu den subtilsten Einzelszenen, die das Duo überhaupt gedreht hat – und sich sehr amüsant.

Es handelt sich um drei Filme, die nicht zu den bekanntesten unter den Laurel & Hardy-Produktionen. Sie sind weitere Beispiele dieser Slapstick-Komik, die das Paar auszeichnet und so beliebt gemacht hat. Der Humor der Filme hat die Zeiten überdauert.

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