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In Marzahn befindet sich das Areal der Gärten der Welt, das von der Stadt Berlin unterhalten wird und Einblicke in die Gartenkultur fremder Länder ermöglicht. Neben dem Erkunden der zehn unterschiedlichen Gartenanlagen bietet der Park auf seinen weiten begrünten Arealen gemütliche Entspannungsoasen.

Der Rundgang durch die 2000 gegründete und seitdem weiterentwickelte Anlage kann beispielsweise beim Orientalischen Garten begonnen werden. Traditionellerweise sind Gärten in der islamischen Kultur durch Mauern umgeben. Nach diesem Vorbild betritt der Besucher in Marzahn ein Foyer mit einer Decke und zahlreichen Säulen aus geschnitztem Zedernholz, das einen recht eigenartigen, intensiven Geruch ausströmt. Für Ungeübte ist er penetrant und kaum auszuhalten. Durch einen Gang gelangt man in den eigentlichen Garten mit verschiedenen Becken und Wasserspielen sowie exotischen Pflanzen. Darunter befindet sich auch die giftige Engelstrompete mit ihren langförmigen, namengebenden Kelchen. Der Boden und ein Teil der Wände des Innenhofes ist mit den für den arabischen Raum typischen blauen Keramikfliesen ausgelegt. Auf wenigen Bänken kann sich der Besucher niederlassen und dem regelmäßigen Plätschern lauschen.

Neben dem Orientalischen Garten entsteht zurzeit auf über sechs Hektaren ein englischer Garten mit einem strohbedeckten Cottage und mehreren Staudenfluchten. Eine Obstwiese und weite Rasenflächen sollen den Entwurf ergänzen. Auf dem Weg zum italienischen Renaissancegarten am östlichen Ausgang des Parks befinden sich ein Irrgarten und ein Labyrinth. Das Bodenlabyrinth besteht aus einem Mosaik nach dem Muster aus der gotischen Kathedrale von Chartres. Im Gegensatz zum Labyrinth, bei dem nur ein verzweigungsloser Weg zum Ziel führt, gibt es bei einem Irrgarten ein ganzes Netz von Wegen mit Abzweigungen und Kreuzungen, die es zu überwinden gilt. Die ungefähr 1.200 übermannshohe Eiben führen den Besucher in alle Richtungen, bis er die Orientierung verliert und der Gingko-Baum in der Mitte des Irrgartens einmal rechts und einmal links von ihm steht.

Im italienischen Renaissancegarten, gestaltet als Innenhof mit Loggia, fühlt man sich dank der zahlreichen Zitronen- und anderer Zitrusbäume in den Süden versetzt. Die Inspiration geht auf den Boboli-Garten in Florenz zurück, der zu den Meisterwerken der italienischen Gartenkunst zählt. Da der Garten in Marzahn doch eine eher bescheidene Größe hat im Gegensatz zu seinen Vorbildern, wirkt er etwas beengt, fast ein bisschen unwirklich, wie eine papierene Kulisse.

Ein Höhepunkt der Gärten der Welt ist der weitläufige chinesische Garten. Er bietet dem Besucher eine abwechslungsreiche Landschaft mit Felsen, verschiedenen Pavillons, überdachten Brücken und mehreren Wasserflächen. In einem der kleinen Pavillons, die wie die ganze Anlage aus originären Materialien, die aus China eingeschifft wurden, gebaut wurden, ist die Außenstelle des Marzahner Standesamtes untergebracht. Der chinesische Garten ist eine Oase der Entspannung: Am Ufer des Sees (über 4.500 m2 groß) gibt es weite Grasflächen, die überdachten Pavillons bieten Schutz vor der Sonne, und im zentralen Teehaus kann man sich mit über 20 Teesorten und traditionellem chinesischen Gebäck verwöhnen lassen. Zu empfehlen sind beispielsweise die Dampfbrötchen mit vegetarischer Füllung. Der Garten entstand 2000 als erster der bisher zehn Gärten und wurde im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Peking vom Institut für klassische Gartenplanung in Peking entwickelt.

Der weitere Rundgang führt auf die Marzahner Anhöhe mit einer schönen Aussicht auf den Park und dann zum darunter gelegenen christlichen Garten. Er wurde 2011 eröffnet und entspricht der Urform eines Klostergartens. Der quadratische Garten ist von einer Buchenhecke umgeben. Im Innern ist ein Wandelgang mit einer gitterförmigen Metallkonstruktion eingefasst, die aus großformatigen Buchstaben besteht. Diese geben Zeilen aus Texten aus dem Alten und Neuen Testament sowie allgemeinen philosophischen Schriften wieder. Das Textgerüst begleitet den Besucher auf seinem Spaziergang und öffnet den Blick auf den Kern des Gartens aus Beeten, gekiesten Abteilungen und einem Wasserstein mit einer friedlichen Ausstrahlung.

Ein weiterer Höhepunkt ist der japanische Garten, der aus einer Mischung aus Rasenflächen, kleinen Hügeln, tiefen Bäumen und einem traditionellen Zentrum aus symmetrisch angeordneten Kieselbahnen besteht. Geplant wurde die Anlage von einem Zen-Priester aus Japan, der die Elemente dieser meditativen Philosophie aufgegriffen hat. Hier kommt der Besucher zur Ruhe und man ertappt sich dabei in der Überlegung, wieviel Arbeit wohl so eine präzise Gestaltung der geharkten Kiesflächen erforderlich macht und wie es wohl nach einem Regenschauer aussehen mag. Nicht ohne Grund weist einen am Eingang ein Mitarbeiter darauf hin, für den Rundgang nur die großen Steine zu betreten.

Als eine Mischung zwischen den Elementen des chinesischen und japanischen Gartens präsentiert sich der koreanische Garten. Der „Seouler Garten“ wird von einer dicken Mauer aus Stein mit bräunlicher Farbe umgeben. Über Treppen und natürliche Pfade gelangt der Besucher an einen Pavillon aus Holz und Stein, eine Wasserfall zwischen großen Felsen und verschiedenen Steinskulpturen entlang. Die Figuren stehen im Zusammenhang mit verschiedenen religiösen Kulten des Landes. Die totemartige Pfähle stehen neben zwergförmigen Plastiken und erinnern an schamanische Riten.

Den Abschluss des Rundgangs macht der balinesische Garten, der sich als einziger der Gärten in einem Treibhaus befindet, und mehr ein exotischer botanischer Garten mit Palmen und anderen tropischen Pflanzen ist. Der Besucher wird zum Kennenlernen und Bestaunen eingeladen, aber der Ort eignet sich weniger zum längeren Verweilen, da hier aus einleuchtenden Gründen tropische Temperaturen herrschen.

In den Gärten der Welt erkundet der interessierte Besucher anhand von Gartenanlagen fremde Kulturen und kann sich auch zu einem entspannten Nachmittag niederlassen. Der Park befindet sich in der Entwicklung und neben dem geplanten englischen Garten sind auch andere Projekte geplant. 2017 wird zudem in Marzahn die internationale Gartenausstellung stattfinden und die Gärten der Welt räumlich einbeziehen. Dann können die Besucher auf einem Areal von über 100 ha vier Jahre lang eine Landschaftsgestaltung von der „klassischen“ Gartenkunst bis zur modernen, zeitgenössischen urbanen Parkanlage erleben.

 

 

 

 

 

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