Home

Am 28. Mai fand das 5. Kurzfilmfestival der ALBA in der Botschaft von Venezuela in Berlin statt. ALBA ist die „Bolivarianische Allianz der Völker unseres Amerikas“, in der sich unteren anderen Ländern Venezuela, Bolivien, Nicaragua, Kuba und Ecuador zusammengeschlossen haben. Die Verbindung besteht nicht nur auf politischer und wirtschaftlicher Ebene indem Handelsverträge zwischen den Staaten geschlossen wurden, sondern auch auf kultureller.

Einen ersten Einblick der kulturellen Vielfalt der einzelnen Ländern gibt die Vorführung von fünf Kurzfilmen zum Thema „Mutter Erde“. In allen Filmen geht es um das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt, die Beziehung, die er zur Natur unterhält und wie Mensch und Natur sich gegenseitig zum Verhängnis werden können.

Der erste Film aus Bolivien greift den Kampf um den allgemeinen Zugang jedes Menschen zu Wasser auf. In den 2000er Jahren privatisierte der bolivianische Staat die Wasseraufbereitung und -versorgung des Landes, was eine für die meisten Einwohner nicht zu leistende Verteuerung der Wassernutzung zur Folge hatte. Die deutsche Autorin Andrea Behrendt stellt eine Parallele zwischen den Kämpfen der bolivianischen Bevölkerung gegen diese Privatisierung und den gleichen Bemühungen der Bürger der Stadt Berlin vor wenigen Jahren her. Eine Verteuerung des Wasserzugangs wäre auch in Berlin die Konsequenz dieser Privatisierung gewesen, doch hätte diese nicht die gleichen verheerenden Konsequenzen zur Folge gehabt, da die finanzielle Situation der deutschen Bevölkerung weit weniger prekär ist als die der bolivianischen. In „Widerstandstropfen“ wird uns vor Augen geführt, dass der Schutz von allgemeinen Gütern wie Wasser uns alle betrifft und es notwendig ist, möglichst gemeinsam dafür einzutreten.

„Oslo“ ist der poetischste Film der Reihe. Darin wird ein älteres Ehepaar aus dem ländlichen Kuba porträtiert. Die Hitze der Region setzt Amanda zu, die an Demenz leidet und sich in den Kopf gesetzt hat, das Haus zu verlassen. Ihr Mann Raúl versucht, den einzigen Ventilator zu reparieren, der Amanda Linderung bieten könnte. Nach gewaltsamer Reparatur funktioniert dieser wieder und Raúl verwandelt damit einen Raum des Hauses in eine kühle Umgebung. Er legt den Boden und die Wände mit weißen Laken aus und lässt durch den Ventilator weiße Federn herumfliegen. So entsteht die Illusion einer Schneelandschaft, in der sich Amanda wohlfühlt und glücklich sein kann.

Der Filmbeitrag aus Ecuador spricht über „Die Wahrheit über Chevron im Amazonasgebiet von Ecuador“. Chevron, ehemals Texaco, wurden vom ecuadorianischen Staat zwischen 1964 und 1992 die Monopolrechte zur Gewinnung und Förderung, der in Ecuador vorkommenden Ölquellen übertragen. Diese Ausbeutung hatte eine schlimme Umweltverschmutzungen zur Folge. Ein großer Teil des Amazonas, der zu einem der artenreichsten Landschaftsstücke der Welt gehört, ist durch die verantwortungslose Aussetzung von Erdöl vergiftet worden. Über 30.000 Menschen und unzählige Tiere leiden an dieser Situation und zahlen teilweise mit ihrem Leben, denn durch das verseuchte Wasser entstand ein erhöhtes Krebserkrankungsrisiko. Mit diesem Film wird einem vor Augen geführt, wie viel Schaden der Mensch der Natur zuzufügen bereit ist, wenn er sich daraus finanziellen Nutzen verspricht. Dass die Natur ihrerseits dann revoltiert und zurückschlägt, ist nicht erstaunlich.

Der Beitrag aus Nicaragua ist ein Kunstfilm, eine Art Aneinanderreihung von zehn kurzen Performances. Jede ein bis zweiminütige Szene hat eine junge nackte Frau zur Protagonistin, die sich einmal mit Laub einhüllt, einmal in einen Fluss eintaucht oder mit Grashalmen spielt. Im Mittelpunkt von „Native – The Forest is Everything“ steht die harmonische Beziehung des Menschen mit der Natur, die poetische Berührung zwischen den beiden.

Als Abschluss des Festivals wurde der Animationsfilm „Nawuin“ gezeigt, der den Mythos über die Entstehung des Maracaibo-Sees in Venezuela erzählt. Es handelt sich um eine Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Menschen, die vom König des Landes und Vater des Mädchens missbilligend entdeckt wird. Seiner Wut lässt er freien Lauf und durch sein erbostes Stampfen überfluten die Flüsse den Wald und die Berge und lassen den großen See von Maracaibo entstehen.

Die Vorführung hat Filme vereinigt, die sowohl politisch relevante Themen aufgreifen als auch poetische Liebeserklärungen an die Natur und die Umwelt sind. Seit der Machtübernahme durch Hugo Chavez entwickelte sich in Venezuela ein halbtotalitäres politisches System, das eine sozialrevolutionäre, pathetische Sprache führt. In den Kunstproduktionen Venezuelas spiegelt sich diese Staatsideologie, wie schon auch seit Jahrzehnten in Kuba, wider.

Die ALBA-Länder organisieren in Berlin regelmäßig gemeinsame Veranstaltungen mit kulturellem Interesse, dabei geht es nicht nur um Film, sondern auch um Musik und Literatur. Eine ausgezeichnete Gelegenheit für Liebhaber lateinamerikanischer Kultur, sich zu bilden und zu informieren.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s