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Unter dem Titel „calabria sona“ fand am 21. Mai in der Werkstatt der Kulturen in Berlin der Auftakt der Deutschlandtour von Armando Quattrone und dem Taranproject statt. Die Gruppen sind in Nordeuropa bisher noch so unbekannt, dass sich anlässlich des Konzerts in Berlin nur ungefähr 40 Zuhörer, wenn auch Begeisterte, einfanden.

Quattrone spielt in einer sechsköpfigen Band, singt und begleitet sich dabei an der klassischen Gitarre. Nach eigenen Angaben sind seine Lieder eine Hommage an seine Heimatregion Kalabrien, doch drehen sich die Texte eher um die von ihm bewunderten Frauen und die Liebe, wie fast immer in der populären Musik (hier aus männlicher Perspektive). Der Musikstil der Gruppe scheint etwas unklar positioniert zu sein. Er oszilliert zwischen einer massengängigen normalen Rockmusik und einem anspruchsvollerem, soulartigem Klang. Das Saxophon, gespielt von einem hervorragenden Musiker, das teilweise eingesetzt wird, unterstreicht diesen letzteren Stil, zum Beispiel in dem Stück „Sotto pressione“. In der zweiten Hälfte des Konzerts interpretierte Quattrone italienische Klassiker aus den 60er und 70er Jahre wie „Rincominciamo“ oder „Tintarella di luna“ und überzeugte erstmals gänzlich, musikalisch und stimmlich. Ein letzter Höhepunkt war das Lied aus der Zeit der Partisanen „Bella ciao“, das allerdings nicht aus Kalabrien stammt.

Das zweite Konzert des Abends stand unter dem Thema traditionelle Musik aus Kalabrien. Taranproject gruppiert sich um zwei Sänger, der eine an einer alten, Mandoline-ähnlichen Gitarre und der andere an einer Zierharmonika und einer kalabrischen Lyra. Weitere Mitglieder sind eine leidenschaftliche, junge Sängerin und Tänzerin, zwei Instrumentalisten an der elektrischen Gitarre, einer am Schlagzeug und einer an verschiedenen Blasinstrumenten. Der musikalische Kern der gespielten Lieder drehte sich um rhythmische Klänge, die in jeder Tarantella, dem historischen, traditionellen Tanz Kalabriens vorkommen. Die modernen Instrumente grundieren diese Grundkompositionen und lassen sie zu rockigen Stücken werden. Das Konzept besteht also darin, die traditionelle Volksmusik Kalabriens durch eine instrumentelle Modernisierung dem Massengeschmack näher zu bringen.

Die Singsprache ist Kalabrisch, eine eigene Sprache der Region Kalabrien, die für nur Hochitalienisch Sprechende nahezu unverständlich ist. Das Kalabrische hat regionale Varianten, die Mitglieder dieser Gruppe sprechen einen Akzent aus Reggio Calabria. Für nicht Eingeweihte könnte es sich dabei auch um eine arabische Sprache handeln. Tatsächlich lassen sich auch in der Musik und insbesondere in den Tanzbewegungen Einflüsse der arabischen Kultur vermuten. Gesungen wird über Herzschmerz und Liebe, aber auch über Probleme der Verständigung zwischen den Kulturen, die aus verschiedenen Nöten heraus, durch Zuwanderung und Immigration entstehen. Die Texte sind zwar nicht gänzlich nebensächlich, doch ist es die Musik die den Zuhörer in erster Linie in ihren Bann. Eine Musik, die berührt und mitreißt.

Taranproject wurde von zwei Sängern mittleren Alters gegründet, beides Meister im Umgang mit traditionellen Instrumenten. Sie bezeichnen sich selbst als „erfolgreichste Live-Band Süditaliens“ und füllen bei Open-air-Konzerten große Stadtplätze. Sie sind Botschafter einer italienischen Region mit einer facettenreichen Kultur, die nur sehr schlecht bekannt ist, zu Unrecht vernachlässigt wird oder gar mit negativen Vorurteilen behaftet ist.

Weitere Informationen unter: http://www.mimmocavallaro.it/

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