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Der Film ist eines der vielen Exportprodukte der zeitgenössischen koreanischen Kultur. In den letzten zehn Jahren nahmen die Produktionen stetig zu. 2013 kamen über 150 Filme in die Säle.

Das internationale Filmfestival im südkoreanischen Busan ist meistens die erste Anlaufstelle für koreanische Filme, die auch im Westen eine wachsende Aufmerksamkeit finden. Dies hat das kleine Festival „Korean cinema today“ im Haus der Kulturen der Welt gezeigt.

Das Programm präsentierte eine große Auswahl an Filmen verschiedenster Art: Dokumentar-, Spielfilme und auch einen Animationsfilm. Die Themen, die das koreanische Kino aufgreift, sind sehr zahlreich und gleichen dadurch den Fragestellungen, die auch im westlichen Film vorkommen. Vom Melodrama über sozialkritische Stoffe bis zur Komödie ist alles vertreten.

„Thuy“ ist der erste Film und die Abschlussarbeit an der Filmschule des jungen Regisseurs Jae-han Kim. Der Titel des Films ist auch der Name der Hauptfigur, eine junge Frau aus Vietnam, die bei ihren Schwiegereltern im ländlichen Korea lebt. Sie ist eine von mehreren Frauen, die von den Koreanern aus Vietnam für ihre Söhne „eingekauft“ wurden, da es die jüngere Generation weg vom Land und die Stadt zieht.

Eines Tages wird Thuys Mann tot aufgefunden und die Polizei erklärt es zu einem Motorradunglück des stark alkoholisierten Fahrers. Da aber dem Toten seit Kindstagen mehrere Finger fehlten und er deswegen nicht einmal Fahrrad fahren konnte, lässt Thuy die Sache nicht auf sich beruhen. Sie hält ihrem Mann über den Tod hinaus die Treue, obwohl er sie zu seinen Lebzeiten weder gut behandelte, noch sie ihn geliebt haben mag. Thuy stellt bei der Polizei Fragen, erntet aber nur Widerstand. Die ländliche Polizei und die gewaltbereite und korrupte Bürgerwehr versuchen, ihr den Mund zu verbieten und sie von weiteren Nachforschungen abzuhalten, indem sie sei, als Ausländerin, in ihre Schranken weisen. Ein origineller Einfall der Inszenierung ist, dass die Figur des Mannes, auf deren Tod die ganze Handlung basiert, im Film nie sichtbar ist.

Der Film handelt vom kruden Konservativismus eines ländlichen Milieus und von korrupten Praktiken dortiger staatlicher Amtsträger. Zustände, die mit Bestimmtheit auch auf andere Länder übertragen werden können. Es wird von den Schwierigkeiten erzählt, die sich einem stellen, wenn man sich in einem fremden Land integrieren und dort als gleichwertiges Gesellschaftsmitglied akzeptiert werden will. „Thuy“ ist eine Kriminalgeschichte, die trotz der lastenden Tragik der Handlung mit einer gewissen ruhigen, die Emotionalität unterlaufenden, Distanz inszeniert wurde.

Wöchentlich zeigt das koreanische Kulturzentrum am Leipziger Platz in Berlin aktuelle Filme aus Korea. Ein Luxus, denn in Europa kommen diese nur vereinzelt in die Kinos.

 

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