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„Spiel einen Tango für mich“

Der Ballsaal-Studio in Berlin-Wedding testete mit der fünfköpfigen Gruppe TANGO Finlandés am 28. April die Konzerttauglichkeit des bis in den 1930er Jahren beliebten Festsaals.

Der Saal wurde 1889 erbaut und für Gesellschaftstänze in Begleitung von Orchestern genutzt. Durch die deutsche Trennung geriet er, an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Wedding, auf der westlichen Seite der Bösen Brücke gelegen, in Vergessenheit und verfiel. 1989 übernahmen ihn Sabine Atzberger und Thomas Göbel, sie aus München kommend, er in Berlin lebender Architekt, und restaurierten ihn. Seit 2004 fungiert das Ballsaal-Studio als Veranstaltungsort für Privat- und Firmenfeiern. Es finden regelmäßig Seminare jeder Art statt und Fotografen nutzen den stimmungsvollen Raum gerne als Kulisse.

Mit TANGO Finlandés fand hier das erste Konzert einer vorgesehenen größeren Reihe statt. Die Mitglieder der Gruppe sind ausgebildete Musiker, die, alle mit Wohnsitz in Berlin, in verschiedenen Ensembles innerhalb Europas vertreten sind. Als Quintett haben sie 2011 ihr Debüt gegeben. Finnischer Tango steht im Mittelpunkt ihres Repertoires, mischt sich aber mit argentinischem Tango, Polka, Walzer und Humppa. Eine Verbindung, die in Finnland Tradition hat. Die tragende, tiefe Stimme des Sängers und Bandvorstehers Taneli Turunen führt durch den Abend. Nach einigen weniger eindrücklichen Stücken fanden TANGO Finlandés mit „Abendrot“ und „Vollmond“ zu ihrer Hochform. Die zwei Stücke traditionellen finnischen Tangos bezwangen das Publikum mit ihrem rhythmischen Dynamik und dem melancholischen Klang der Worte.

Zum Quintett gehören neben Taneli Turunen der Klavierspieler Jarkko Riihimäki, der Kontrabassist Esko Laine, der vituose Geiger Alvaro Parra und, als fünfter, Valentin Butt mit seinem Bajan, das die osteuropäische Form des Akkordeons ist. Dieses Instrument gibt im Zusammenspiel mit der Geige den Stücken des finnischen Tango ihren unverwechselbaren Klang. Den Erfolg des ursprünglich aus Argentinien kommenden Tangos in Finnland erklärt man sich damit, dass in dieser Musik melancholische und schmerzhafte Gefühlsregungen ausgedrückt werden konnten, deren offener Ausdruck sonst den Finnen schwer fallen würde.

Während der russischen Besetzung Finnlands in den 1930er Jahren erlebte der finnische Tango seine erste Blütezeit. Das argentinische Vorbild wurde ich Finnland mit Einflüssen aus dem Jazz und der Marschmusik angereichert. Meistens sind die Texte auf Finnisch, aber auch vermehrt auf Spanisch oder Deutsch. In Deutschland, so wie in seiner eigenen Heimat, erfährt der finnische Tango seit den 1980er Jahren eine Wiedergeburt.

Turunens fröhliche Art – und seine Neigung zu kabarettistischen Einlagen und gelegentlichem Grimassieren – lassen vergessen, dass die Texte von Sehnsucht, Liebe und Schmerz erzählen. Manchmal sind sie allerdings auch ironisch und leichter – je nach Sichtweise: „Liebe war das nie, das weißt du auch. Nur eine kleine Liebelei. Darum ging es auch so schnell vorbei.“ Mit dem „Letzten Tango“ verabschiedete sich TANGO Finlandés für den Abend und machte den Besucher auf mehr gespannt.

Weitere Informationen

TANGO Finlandés – http://www.tangofinlandes.com/

Ballsaal-Studio Berlin-Wedding – http://www.ballsaal-studio.com/

 

 

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