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Rembrandt Bugatti – Der Tierbildhauer mit dem weltberühmten Namen

Die Alte Nationalgalerie zeigt seit März diesen Jahres bis zum 20. Juli eine Werkschau des italienischen Bildhauers Rembrandt Bugatti. Seine Tierplastiken aus Bronze wurden bisher vom breiteren Publikum vernachlässigt, ein Missstand, finden die Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin, dem sie entgegenwirken möchten. Rund 100 Skulpturen werden in den Räumen des Museums auf einfachen Metallpodesten, integriert in die permanente Sammlung, präsentiert.

Rembrandt Bugatti ist der jüngere Bruder von Ettore Bugatti, bekannter Automobilhersteller. Die Industriellenfamilie stammte aus Mailand, die Bugatti-Werkstätte hatten ihren Sitz allerdings im Elsass und Rembrandt reiste viel in Europa. Zu den ersten Arbeiten Rembrandts gehörte der Entwurf einer Kühlerfigur, ein auf den Hinterbeinen aufgerichteter Elefant, für ein Auto des Familienunternehmens.

Bugatti modellierte mit Vorliebe exotische Tiere. Während seines längeren Aufenthalts in Paris besuchte er den Zoologischen Garten und insbesondere faszinierte ihn die Sammlung des damaligen Naturkundemuseums mit ihren zahlreichen Tierpräparaten. Auch der Besuch anderer Zoos wie der in Antwerpen dienten ihm als Inspirationsquelle. So finden sich in der Ausstellung neben einer kleinen Kuhgruppe, einem Dackel und einer Katze mehrere Elefanten, Raubkatzen, ein Affe, eine Schlange und sogar Tapire.

Diese und weitere Tiere werden von Bugatti in meist außergewöhnlichen Posen eingefangen. Der Affe hält in der einen Hand eine Karotte und mit der anderen prüft er sein Fell auf Flöhe. Das Nilpferd öffnet seinen riesigen Mund zum Gähnen und die Strauße nehmen einen weit ausschreitenden Schritt. Die originellste Haltung nimmt die Giraffe ein, die unbeholfen mit gespreizten Vorderbeinen das Gleichgewicht sucht und den langen Hals waagrecht von sich streckt.

Insgesamt hat Bugatti liebevolle Tierporträts geschaffen, die er mit Hilfe seiner Technik der aufgerauhten Oberfläche, wie sie bei Rodin typisch war, gestaltete. Die Macher der Ausstellung in Berlin bezeichnen Bugatti al einen Meister seines Fachs, dem die angemessene Wertschätzung bisher verwehrt blieb. Sicherlich ist es sehr interessant, seine Arbeiten kennen zu lernen. Doch singen die Verantwortlichen ein zu einseitiges Lobeslied.

Höchst erstaunlich ist zudem, dass die Skulptur von August Gaul, die zwei liegende Ziegen zeigt, aus den Räumen des Museums verschwunden ist. Gaul ist eine Generation älter als Bugatti und nimmt dessen Plastiken weitgehend vorweg. Seine vergnügten Pinguine, seine Biber und Fischotter oder seine kämpfenden Widder sind dynamisch und mindestens so originell wie die Skulpturen von Bugatti.

Seltsam ist es also, dass es versäumt wurde, die Parallele zwischen den beiden Künstlern zu ziehen, zumal sie gleichzeitig einen bedeutenden deutschen Bildhauer ebenso gewürdigt hätte. Eine letzte Ungeschicklichkeit ist die Präsentation der Exponate an sich. Dass durch deren Integrierung in die bestehende Sammlungsausstellung keine Hauptwerke des Museums ins Depot verschwunden sind, ist ein Vorteil, aber dadurch kommen die meist kleinen Tierfiguren auch nicht recht zur Geltung. Eine optimale Präsentation hätte einen farblich neutralen Hintergrund vorausgesetzt. Stattdessen verlieren sich die Objekte jetzt eindeutig vor dem uneinheitlichen Hintergrund der Gemälde.

 

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